Fachbeitrag | Unterweisung
12.01.2015

Arbeitsschutz für fremdsprachige Beschäftigte

Viele Subunternehmer, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind, haben oftmals ohne ausreichende Deutschkenntnisse wenig Chancen eingestellt oder beauftragt zu werden.

Arbeitsschutz für Externe© Ingram Publishing /​ Thinkstock

Doch im Falle einer Beauftragung, können fremdsprachige Beschäftigte eventuell gar nicht richtig unterwiesen werden oder bekommen die Unterweisungsinhalte nicht verständlich vermittelt.

Oftmals quittieren sie aber per Unterschrift, dass sie die Inhalte der Unterweisung verstanden haben.

In der Praxis zeigt sich häufig, dass sie deshalb unverschuldet durch mangelnde Kenntnis:

  • nicht angemessen von Generalunternehmern beaufsichtig werden,
  • nicht ausreichend auskunftsfähig gegenüber der Behörde bei Baustellenkontrollen sind,
  • teilweise ihre Fach-/Sachkunde nicht nachweisen können,
  • keine eigene baustellenbezogene Gefährdungsbeurteilung haben,
  • keinen weisungsbefugten Aufsichtsführenden als Ansprechpartner haben,
  • ggf. nicht unfall-/krankenversichert sind,
  • keine entsprechende arbeitsmedizinische Vorsorge nachweisen können,
  • kaum Fort-/Weiterbildungen nachweisen können,
  • für Arbeiten eingesetzt werden, die sie gar nicht ausführen dürfen,
  • keine geeignete persönliche Schutzausrüstung einsetzen,
  • keine geeigneten und geprüften Arbeitsmittel haben odernutzen können,
  • bei den Sozialräumen nicht angemessen bedacht werden (ASR A 4.2/ ASR A4.3)
  • keine geeigneten Unterkünfte haben (ASR A 4.4),
  • nicht wissen, wo sich Arbeitsschutzunterlagen, Feuerlöscher, Erste-Hilfe Kasten, Sammelpunkte, Raucherzonen befinden (bzw. diese nicht vorhanden sind)
  • in Teambesprechungen sich nicht adäquat einbringen können,
  • über die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes und das Führen von Arbeitszeitaufzeichnungen, anderer gesetzlicher/berufsgenossenschaftlicher Vorgaben nur unzureichend informiert sind,
  • nicht darüber aufgeklärt wurden, dass sie von staatlicher/berufsgenossenschaftlicher Seite bei Verstößen gegen geltende Vorschriften auch sanktioniert werden können (beispielsweise gilt die Gefahrstoffverordnung [§2 GefStoffV], insbesondere mit Blick auf den Drittschutz, auch für Unternehmer ohne Beschäftigte)

Die Gestaltung der Subunternehmer-, Werkverträge, muss insbesondere diese Punkte mit berücksichtigen, denn unabhängig von der Vertragsart (Subunternehmervertrag, Werkvertrag) liegt nach § 9 i.V.m. §130 OwiG die Planungs- und Überwachungspflicht (Aufsichtspflicht) über beauftragte Unternehmen im Rahmen der Unternehmerpflichten, u.a. nach dem Chemikaliengesetz (ChemG), Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), Arbeitszeitgesetz (ArbZG) beim Auftraggeber. Dieser kann, bei Verletzung seiner Aufsichtspflicht ebenfalls behördlich belangt werden!

Den Unternehmen, die sich Subunternehmen bedienen, ist oftmals nicht bewusst, dass durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auch Betriebe für ihre Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und Deutschkurse ohne oder nur geringe Kosten für den Betrieb oder Teilnehmer gefördert bekommen. Die Inhalte können sowohl im Betrieb als auch in Sprachzentren vermittelt werden.

Der berufsbezogene Unterricht weist neben der allgemeinen Sprachförderung, insbesondere folgende Kennzeichen auf:

  • Behandlung berufs(feld)- und arbeitsplatzbezogener Inhalte (z.B. Unterweisungsinhalte, Piktogramme)
  • Vermittlung von Kenntnissen über kommunikative Regeln am Arbeitsplatz
  • Behandlung der sprachlichen Fertigkeiten Lese- und Hörverstehen sowie Sprechen und Schreiben
  • Einsatz von authentischem Unterrichtsmaterial

Derartige Maßnahmen sollen dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit dienen und sind gerade den Subunternehmen mit denen eine längerfristige Zusammenarbeit angestrebt wird, aktiv anzubieten.

Beschäftigte auf Baustellen mit Gefahrstoffen, könnten beispielsweise einen individuellen deutsch-englischen Subunternehmerpass mit sich führen können, in dem wichtige persönliche arbeitsschutzrelevante Angaben, wie Unterweisungen, arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Erlaubnisse (auch die wichtigsten Piktogramme) dort aufgeführt und nachgewiesen sind.

Was trägt zur erforderlichen besseren gegenseitigen Verständigung bei?

  • Personalauswahl: Im Gespräch sollte auf die Sprachkompetenz des Bewerbers geachtet werden. Fehlt diese, sollten schon, ggf. vor Tätigkeitsaufnahe, Maßnahmen vereinbart werden, um diese Mängel zu beseitigen.
  • Führungskräfte: Sie müssen wissen und sensibilisiert sein, wenn es Verständigungsprobleme aufgrund fehlender Sprachkompetenz geben könnte.
  • Informationsvermittlung: mehrsprachige Broschüren/Flyer etc. oder bildgestützte Arbeits-/Betriebsanweisungen (Schilder, Infotafeln) nutzen,
  • Unterweisung: Verständniskontrolle, um zu überprüfen, ob die Mitarbeiter die Anweisungen auch praktisch anwenden können.
  • Sprachkompetenz: Verfügen Mitarbeiter nur über unzureichende Sprachkenntnisse, dann sollten Maßnahmen vereinbart werden, um diese zu verbessern.
  • Peersystem: Wenn in einem Unternehmen eine Nationalität besonders stark vertreten ist, dann können Sie einen zweisprachigen Vertreter als Ansprechpartner für den Arbeitsschutz ernennen.
  • Unterweisung: ggf. mehrsprachige Unterweisung/Dolmetscher sicherstellen und mehrsprachige Betriebs-/Arbeitsanweisungen erstellen und die praktische Umsetzung dessen kontrollieren,
  • Beteiligung: Einbringen in Teamgespräche, Entscheidungen, Präventionsfragen
  • Weitere kulturelle Unterschiede: allen Beteiligten verständlich machen, dass einer auf den anderen angewiesen ist, alle aber nur als Team funktionieren und gegenseitige Unterstützung oberstes Gebot ist!
  • Inklusion der Migranten: Beschäftigte langfristig in Fragen rund um Arbeitsschutz miteinbeziehen, an Teamentscheidungen teilhaben lassen.
Autor: Stefan Johannsen 

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