11.05.2020

Passen Sie Ihre Arbeitsschutz-Dokumente und Unterweisungen an die Corona-Pandemie an

Wie können Sie mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der Corona-Pandemie gerecht werden? Dieser Beitrag möchte Betrieben eine entsprechende Orientierung an die Hand geben. Dabei konzentriert er sich auf die vier elementaren Säulen des Arbeitsschutzes: Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen, Unterweisungen sowie Arbeitsmittelprüfungen. Wie machen Sie diese jeweils „coronasicher?“

Seit einigen Monaten lebt Deutschland jetzt schon im Corona-Ausnahmezustand. Und während Betriebe anfangs vor allem auf Ad-hoc-Lösungen zurückgegriffen haben, wird es jetzt langsam Zeit, Arbeitsschutz-Maßnahmen zu strukturieren und auf eine breitere Basis zu stellen.

Dafür müssen Sie dort ansetzen, wo jede systematische Herangehensweise an den Arbeitsschutz ihren Anfang nimmt: bei Ihren Gefährdungen, den Schutzmaßnahmen und der diesbezüglichen Kommunikation.

Diese Schritte sollten Sie dabei gehen:

Gefährdungsbeurteilung überprüfen und erweitern

Infektionskrankheiten galten bislang als allgemeines Lebensrisiko und fanden sich kaum in den Gefährdungsbeurteilungen der Betriebe wieder. Das Coronavirus ändert das gerade.

So sieht die Politik im Coronavirus eine erhebliche neue Gefährdung für die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitnehmern. Sie hat im „SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard“ deshalb Schutzmaßnahmen definiert, die Arbeitnehmer vor einer Ansteckung schützen sollen.

Die Gefährdungsbeurteilung spielt in diesem Arbeitsschutzstandard eine wichtige Rolle: Demnach

„muss jedes Unternehmen in Deutschland auch auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung sowie betrieblichen Pandemieplanung ein Hygienekonzept umsetzen (Bund-Länder-Konferenz vom 15. April).

Überprüfen Sie die Arbeitsbedingungen in Ihrem Betrieb deshalb jetzt auf die Gefährdungen, die durch das Coronavirus drohen. Nur so können Sie sinnvolle von sinnfreien Schutzmaßnahmen unterscheiden und zweckmäßige Maßnahmen ergreifen.

Ergänzen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilungen erstens um die Infektionsgefährdungen durch SARS-CoV-2

Gleichen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilungen auch mit den Maßnahmen ab, die der „SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard“ empfiehlt. Fehlendes holen Sie nach, Überflüssiges streichen Sie. Fragen Sie  z.B.:

  • Können infektionsgefährliche Tätigkeiten und Prozesse durch solche ersetzt werden, bei denen Mitarbeiter weniger oft und weniger nah zusammenarbeiten müssen?
  • Wie lassen sich die Räume besser belüften und transportable Hygienebecken zur Handdesinfektion einsetzen?
  • Können Pausen ins Freie verlegt oder der Arbeitsbeginn entzerrt werden?
  • Stehen ausreichend genügend PSA, insbesondere Masken und Schutzkleidung sowie Schutzhandschuhe, zur Verfügung?

Tipp

Die Vorlagen der Software „Gefährdungsbeurteilung plus“ machen es Ihnen leichter, die Infektionsgefährdung in Ihren Gefährdungsbeurteilungen zu berücksichtigen. Sie können dort bei zahlreichen Tätigkeiten die erhöhte Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus einfügen.

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Zweitens müssen Sie ein Auge auf die besonderen Gefährdungen für schwangere Frauen haben

Grundsätzlich ist das Coronavirus SARS-CoV-2 für alle Mitarbeiter gefährlich. Es gibt aber eine Reihe von Mitarbeitern, die besonders gefährdet sind. Dazu gehören alle, deren Immunsystem geschwächt ist, die an Vorerkrankungen leiden oder stark rauchen. Besonders gefährdet sind auch die über 60-Jährigen.

Suchen Sie mit den betroffenen Mitarbeitern, sofern eine Gefährdung bekannt ist, das Gespräch. Entwickeln Sie nach Möglichkeit einvernehmliche Regelungen zu deren Schutz. Gefährdete Personen sollten beispielsweise wenn möglich nicht in Bereichen tätig sein, in denen sie durch Publikumsverkehr häufigen und ungeschützten Kontakt mit ständig wechselnden Personen haben müssen.

Inwieweit sich das Coronavirus auf schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder auswirkt, ist noch nicht klar (vgl. Webseite des RKI, Steckbrief des neuartigen Coronavirus vom 30.04). Der  Ausschuss für Mutterschutz empfiehlt deshalb in seinen „Hinweisen zur mutterschutzrechtlichen Bewertung von Gefährdungen durch SARS-CoV-2“, ein erhöhtes Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 für Schwangere aus Gründen der Prävention als unverantwortbare Gefährdung einzustufen.

In der aktuellen Corona-Pandemie sollten schwangere Frauen folgende Tätigkeiten nicht mehr ausüben:

  • Tätigkeiten mit direktem Publikumsverkehr. Hierzu gehört z.B. der Verkauf in Apotheken, im Einzelhandel und an Tankstellen.
  • Tätigkeiten im Außendienst. Hierzu gehören z.B. Behörden, Personentransport, Handwerker, Lieferdienste. Bei den zuvor genannten beruflichen Tätigkeiten ist das Infektionsrisiko per se durch wechselnde Kontakte erhöht!

Passen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilungen ans Homeoffice an

Im März wurden viele Arbeitnehmer ad hoc ins Homeoffice geschickt – auch wenn es zur Arbeit im Homeoffice unter Umständen keine Gefährdungsbeurteilung gab. Prüfen Sie also spätestens jetzt, ob Sie eine Gefährdungsbeurteilung Homeoffice erstellen müssen oder ob Sie Ihre bestehende Gefährdungsbeurteilung erweitern müssen.

Prinzipiell gilt: Egal ob mobiler oder Telearbeitsplatz – Arbeitgeber müssen gemäß ArbSchG immer folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG inklusive Festlegung von Schutzmaßnahmen sowie Prüfung der Wirksamkeit
  • Sicherheitsunterweisung
  • Gewährleistung des Gesundheitsschutzes

Wer zuhause kleine Kinder betreut oder im Homeschooling aktiv ist und noch irgendwie nebenbei die Arbeit meistern soll, ist gerade besonderen Belastungen ausgesetzt. Erweitern Sie dahingehend auch die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.

Behalten Sie die Fristen bei der Arbeitsmittelprüfung im Blick

Können Sie wegen der Pandemie bestimmte Fristen für die Prüfung Ihrer Arbeitsmittel nicht einhalten, müssen Sie diesen Umstand in Ihrer Gefährdungsbeurteilung vermerken. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Arbeitsmittelprüfungen: bei Problemen rechtzeitig reagieren“ in diesem Beitrag.

Zusammenfassung

Links sehen Sie die einzelnen Punkte zur Gefährdungsbeurteilung noch einmal  zusammengefasst.

Betriebsanweisungen und Unterweisungen an die Corona-Pandemie anpassen

Menschen fassen ohne nachzudenken beim Treppensteigen an den Handlauf, geben sich bei der Begrüßung die Hand oder halten sich diese beim Husten vor den Mund. Alte Gewohnheiten streift man eben nicht so leicht ab.

Bis neue Verhaltensmuster die alten abgelöst haben, sind regelmäßige Informationen und Erinnerungen für Mitarbeiter besonders wichtig. Die Mittel der Wahl: Betriebsanweisungen und regelmäßige Unterweisungen.

Letztlich müssen Ihre Betriebsanweisungen und Unterweisungen schon allein deshalb auf die aktuelle Situation eingehen, weil sie sich aus Ihren (überarbeiteten) Gefährdungsbeurteilungen speisen.

Betriebsanweisungen

Es bietet sich an, eine eigene Betriebsanweisung zum Coronavirus zu erstellen, die die wichtigsten Vorsichts- und Schutzmaßnahmen übersichtlich zusammenfasst. Sie hängen sie am besten an zentralen Plätzen im Unternehmen, wie etwa Pausen- oder Waschräumen, aus.

Tipp

Sie hätten gern eine Vorlage, auf der Sie für Ihre eigene Betriebsanweisung zum Coronavirus aufbauen können? In der Software „Muster-Betriebsanweisungen plus“ finden Sie ein anpassbares Muster zum Coronavirus – und 2.200 weitere Vorlagen.

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Unterweisungen

Abstand halten, Mundschutz, Homeoffice – gerade sind die Bedingungen für die Sicherheitsunterweisung nicht eben ideal. Unterweisungen außerhalb geschlossener Räume können sinnvoll sein, ebenso: selbstständiges Lernen über vorgefertigte PowerPoint-Präsentationen oder E-Learning-Angebote.

Tipp

Fertige Unterweisungen zu so wichtigen Themen wie „Hygiene im Büro“, „Schutz vor dem Coronavirus“ oder „mobiles Arbeiten“ gesucht? Auf Basis des SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandards finden Sie in der Software „Unterweisen plus“ sechs neue Unterweisungsvorlagen, die Beschäftigte explizit über wichtige Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln informieren.

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Arbeitsmittelprüfungen: bei Problemen rechtzeitig reagieren

Corona wirbelt jeden Terminkalender durcheinander. Dementsprechend kann es passieren, dass Sie Ihre Arbeitsmittelprüfungen nach hinten schieben müssen – und damit eigentlich notwendige Prüffristen um einige Monate überziehen.

Für diesen Fall haben die Fachbereiche der DGUV entsprechende Empfehlungen veröffentlicht. Sie schreiben dort unter anderem:

„In der gegebenen Ausnahmesituation kann im Einzelfall auf der Grundlage einer anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung die Verschiebung von Prüfungen vorgenommen werden, sofern die sichere Verwendung von Arbeitsmitteln gewährleistet ist.“

Dazu müssen Sie in Ihrer Gefährdungsbeurteilung drei Dinge dokumentieren:

  • die Feststellung, dass die betreffenden Arbeitsmittel bei den vorausgehenden Prüfungen sowie im Zeitraum seit der letzten Prüfung keine Mängel aufgewiesen haben
  • die Festlegung von ergänzenden Maßnahmen, mit denen die sichere Verwendung des Arbeitsmittels gewährleistet wird,  z.B. erweiterte Sicht- und Funktionskontrollen vor der Verwendung
  • die Angabe des Zeitraums, bis wann die Prüfung nachgeholt werden soll. Dieser Zeitraum sollte 25 % des vorher angesetzten Prüfintervalls nicht überschreiten.

Sofern konkrete Prüffristen in staatlichen Arbeitsschutzvorschriften festgelegt sind, müssen Sie Abweichungen aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie mit der zuständigen Behörde abstimmen.

Autor: WEKA Redaktion