08.05.2021

Passen Sie Ihre Arbeitsschutz-Dokumente und Unterweisungen an die Corona-Pandemie an

Wie können Sie mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der Corona-Pandemie gerecht werden? Dieser Beitrag möchte Betrieben eine entsprechende Orientierung an die Hand geben. Dabei konzentriert er sich auf die vier elementaren Säulen des Arbeitsschutzes: Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen, Unterweisungen sowie Arbeitsmittelprüfungen. Wie machen Sie diese jeweils „coronasicher?“

Seit einigen Monaten lebt Deutschland jetzt schon im Corona-Ausnahmezustand. Und während Betriebe anfangs vor allem auf Ad-hoc-Lösungen zurückgegriffen haben, ist es jetzt Zeit, Arbeitsschutz-Maßnahmen zu strukturieren und auf eine breitere Basis zu stellen.

Dafür müssen Sie dort ansetzen, wo jede systematische Herangehensweise an den Arbeitsschutz ihren Anfang nimmt: bei Ihren Gefährdungen, den daraus folgenden Schutzmaßnahmen und der diesbezüglichen Kommunikation.

Diese Schritte sollten Sie dabei gehen:

Gefährdungsbeurteilung überprüfen und erweitern

Infektionskrankheiten galten lange als allgemeines Lebensrisiko und fanden sich kaum in den Gefährdungsbeurteilungen der Betriebe wieder. Das Coronavirus hat das geändert.

Die Politik sieht im Coronavirus eine erhebliche neue Gefährdung für die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitnehmern. Sie hat in der „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel“ und der darauf basierenden SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung deshalb Schutzmaßnahmen definiert, an die sich Arbeitgeber zu halten haben, um Arbeitnehmer vor einer Ansteckung zu schützen.

Die Gefährdungsbeurteilung spielt in diesen Regelungen eine wichtige Rolle: Demnach habe jedes Unternehmen

„die bestehende Gefährdungsbeurteilung und die festgelegten Maßnahmen des Arbeitsschutzes hinsichtlich eventuell zusätzlich erforderlicher Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes zu
überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren.  

Explizit nennt die Arbeitsschutzregel hier die Überprüfung der psychischen Belastungen oder der Belastungen durch das Tragen von Atemschutz.

Nehmen Sie die Arbeitsbedingungen in Ihrem Betrieb deshalb unter die Lupe. Überlegen Sie, wo Gefährdungen durch das Coronavirus drohen. Nur so können Sie sinnvolle von sinnfreien Schutzmaßnahmen unterscheiden und zweckmäßige Maßnahmen ergreifen.

Gefährdungsbeurteilungen um die Infektionsgefährdungen durch SARS-CoV-2 ergänzen

Gleichen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilungen auch mit den Maßnahmen ab, die die „SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel“ empfiehlt. Fehlendes holen Sie nach, Überflüssiges streichen Sie. Fragen Sie z.B.:

  • Können infektionsgefährliche Tätigkeiten und Prozesse durch solche ersetzt werden, bei denen Mitarbeiter weniger oft und weniger nah zusammenarbeiten müssen?
  • Wie lassen sich die Räume besser belüften und transportable Hygienebecken zur Handdesinfektion einsetzen?
  • Können Pausen ins Freie verlegt oder der Arbeitsbeginn entzerrt werden?
  • Stehen ausreichend genügend PSA, insbesondere Masken und Schutzkleidung sowie Schutzhandschuhe, zur Verfügung?

Beachten Sie außerdem die Pflichten von Unternehmen hinsichtlich Testangebote, Homeoffice oder Masken.

Tipp

Die Vorlagen der Software Gefährdungsbeurteilung plus machen es Ihnen leichter, die Infektionsgefährdung in Ihren Gefährdungsbeurteilungen zu berücksichtigen. Sie können dort bei zahlreichen Tätigkeiten die erhöhte Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus einfügen.

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Besonders gefährdete Gruppen

Grundsätzlich ist das Coronavirus SARS-CoV-2 für alle Mitarbeiter gefährlich. Es gibt aber eine Reihe von Mitarbeitern, die besonders gefährdet sind. Dazu gehören alle, deren Immunsystem geschwächt ist, die an Vorerkrankungen leiden oder stark rauchen. Besonders gefährdet sind auch die über 60-Jährigen.

Suchen Sie mit den betroffenen Mitarbeitern, sofern eine Gefährdung bekannt ist, das Gespräch. Entwickeln Sie nach Möglichkeit einvernehmliche Regelungen zu deren Schutz. Gefährdete Personen sollten beispielsweise wenn möglich nicht in Bereichen tätig sein, in denen sie durch Publikumsverkehr häufigen und ungeschützten Kontakt mit ständig wechselnden Personen haben müssen.

Inwieweit sich das Coronavirus auf schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder auswirkt, ist noch nicht klar (vgl. Webseite des RKI, Steckbrief des neuartigen Coronavirus vom 30.04). Der  Ausschuss für Mutterschutz empfiehlt deshalb in seinen „Hinweisen zur mutterschutzrechtlichen Bewertung von Gefährdungen durch SARS-CoV-2“, ein erhöhtes Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 für Schwangere aus Gründen der Prävention als unverantwortbare Gefährdung einzustufen.

In der aktuellen Corona-Pandemie sollten schwangere Frauen folgende Tätigkeiten nicht mehr ausüben:

  • Tätigkeiten mit direktem Publikumsverkehr. Hierzu gehört z.B. der Verkauf in Apotheken, im Einzelhandel und an Tankstellen.
  • Tätigkeiten im Außendienst. Hierzu gehören z.B. Behörden, Personentransport, Handwerker, Lieferdienste. Bei den zuvor genannten beruflichen Tätigkeiten ist das Infektionsrisiko per se durch wechselnde Kontakte erhöht!

Gefährdungsbeurteilungen und Homeoffice

Prüfen Sie jetzt, ob Sie eine Gefährdungsbeurteilung Homeoffice erstellen oder ob Sie Ihre bestehende Gefährdungsbeurteilung erweitern müssen.

Prinzipiell gilt: Egal ob mobiler oder Telearbeitsplatz – Arbeitgeber müssen gemäß ArbSchG immer folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG inklusive Festlegung von Schutzmaßnahmen sowie Prüfung der Wirksamkeit
  • Sicherheitsunterweisung
  • Gewährleistung des Gesundheitsschutzes

Wer zuhause kleine Kinder betreut oder im Homeschooling aktiv ist und noch irgendwie nebenbei die Arbeit meistern soll, ist gerade besonderen Belastungen ausgesetzt. Erweitern Sie dahingehend auch die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.

Fristen bei der Arbeitsmittelprüfung

Können Sie wegen der Pandemie bestimmte Fristen für die Prüfung Ihrer Arbeitsmittel nicht einhalten, müssen Sie diesen Umstand in Ihrer Gefährdungsbeurteilung vermerken. Dasselbe trifft auf praktische Unterweisungen zu. Mehr dazu lesen Sie in den entsprechenden Abschnitten weiter unten in diesem Beitrag.

Zusammenfassung

Links sehen Sie die einzelnen Punkte zur Gefährdungsbeurteilung noch einmal zusammengefasst.

Betriebsanweisungen und Unterweisungen an die Corona-Pandemie anpassen

Menschen fassen ohne nachzudenken beim Treppensteigen an den Handlauf, geben sich bei der Begrüßung die Hand oder halten sich diese beim Husten vor den Mund. Alte Gewohnheiten streift man eben nicht so leicht ab.

Bis neue Verhaltensmuster die alten abgelöst haben, sind regelmäßige Informationen und Erinnerungen für Mitarbeiter besonders wichtig. Die Mittel der Wahl: Betriebsanweisungen und regelmäßige Unterweisungen.

Letztlich müssen Ihre Betriebsanweisungen und Unterweisungen schon allein deshalb auf die aktuelle Situation eingehen, weil sie sich aus Ihren (überarbeiteten) Gefährdungsbeurteilungen speisen.

Betriebsanweisungen

Es bietet sich an, eine eigene Betriebsanweisung zum Coronavirus zu erstellen, die die wichtigsten Vorsichts- und Schutzmaßnahmen übersichtlich zusammenfasst. Sie hängen sie am besten an zentralen Plätzen im Unternehmen, wie etwa Pausen- oder Waschräumen, aus.

Tipp

Sie hätten gern eine Vorlage, auf der Sie für Ihre eigene Betriebsanweisung zum Coronavirus aufbauen können? In der Software Muster-Betriebsanweisungen plus finden Sie ein anpassbares Muster zum Coronavirus – und 2.200 weitere Vorlagen.

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Unterweisungen

Abstand halten, Mundschutz, Homeoffice – gerade sind die Bedingungen für die Sicherheitsunterweisung nicht eben ideal. Unterweisungen außerhalb geschlossener Räume können sinnvoll sein, ebenso: selbstständiges Lernen über vorgefertigte PowerPoint-Präsentationen oder E-Learning-Angebote. Aufgrund der erschwerten Bedingungen durch die Corona-Epidemie können Unterweisungen momentan auch digital stattfinden (Punkt 4.2.14 der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel (aktualisiert). Es müssen jedoch

  • Verständnisprüfungen zwischen den Beschäftigten und der unterweisenden Person erfolgen.
  • Rückfragen für die Beschäftigten jederzeit möglich sein.

Bestandteil einer Unterweisung speziell zum Coronavirus sind Informationen zum aktuellen Wissensstand, zum Ansteckungsrisiko und dem Risiko einer Neuerkrankung bei Rückkehr genesener Beschäftigter, die an COVID-19 erkrankt waren.

Einen Lösungsvorschlag für praktische Unterweisungen macht die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM). Sie schreibt, Unternehmen könnten den theoretischen Teil der Unterweisung digital durchführen. Haben die Beschäftigten ausreichend Berufserfahrung gesammelt und sind bereits mehrfach unterwiesen worden, kann dann laut BGHM geprüft werden, ob der praktische Teil der Unterweisung nicht verschoben werden kann. Dies ist allerdings nur erlaubt, wenn Sicherheitsabstände bei der praktischen Unterweisung nicht eingehalten werden können.

Allerdings müssen Sie eine Verschiebung in der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren und begründen. Wenn diese Gründe für die Verschiebung nicht mehr bestehen, holen Sie den praktischen Teil der Unterweisung nach.

Tipp

Fertige Unterweisungen zu so wichtigen Themen wie „Hygiene im Büro“, „Schutz vor dem Coronavirus“ oder „mobiles Arbeiten“ gesucht? Auf Basis der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel finden Sie in der Software Unterweisen plus sechs neue Unterweisungsvorlagen, die Beschäftigte explizit über wichtige Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln informieren.

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Arbeitsmittelprüfungen: bei Problemen rechtzeitig reagieren

Corona wirbelt jeden Terminkalender durcheinander. Dementsprechend kann es passieren, dass Sie Ihre Arbeitsmittelprüfungen nach hinten schieben müssen – und damit eigentlich notwendige Prüffristen um einige Monate überziehen.

Für diesen Fall haben die Fachbereiche der DGUV entsprechende Empfehlungen veröffentlicht. Sie schreiben dort unter anderem:

„In der gegebenen Ausnahmesituation kann im Einzelfall auf der Grundlage einer anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung die Verschiebung von Prüfungen vorgenommen werden, sofern die sichere Verwendung von Arbeitsmitteln gewährleistet ist.“

Dazu müssen Sie in Ihrer Gefährdungsbeurteilung drei Dinge dokumentieren:

  • die Feststellung, dass die betreffenden Arbeitsmittel bei den vorausgehenden Prüfungen sowie im Zeitraum seit der letzten Prüfung keine Mängel aufgewiesen haben
  • die Festlegung von ergänzenden Maßnahmen, mit denen die sichere Verwendung des Arbeitsmittels gewährleistet wird,  z.B. erweiterte Sicht- und Funktionskontrollen vor der Verwendung
  • die Angabe des Zeitraums, bis wann die Prüfung nachgeholt werden soll. Dieser Zeitraum sollte 25 % des vorher angesetzten Prüfintervalls nicht überschreiten.

Sofern konkrete Prüffristen in staatlichen Arbeitsschutzvorschriften festgelegt sind, müssen Sie Abweichungen aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie mit der zuständigen Behörde abstimmen.

Autor: WEKA Redaktion