03.02.2020

Arbeitsschutz 4.0: Wo starten?

Wo ergeben sich Probleme, wo auch neue Chancen bei der Vereinbarkeit von Industrie 4.0 mit dem herkömmlichen analogen Arbeitsschutz? Nirgendwo kommt „4.0“ von heute auf morgen und nirgendwo in allen Bereichen und Abteilungen gleichzeitig. Das schafft Luft und die Möglichkeit, erst einmal Erfahrungen zu sammeln. Wichtige Ansätze für einen Arbeitsschutz 4.0 finden Sie im folgenden Beitrag.

Arbeitsschutz 4.0: Der Mensch ist wichtiger als die Maschine - und sagt ihr, wo es lang geht.

Die Zahl der Sensoren in den Betrieben wächst unaufhörlich. So können immer mehr Informationen in Echtzeit zur Verfügung gestellt und analysiert werden. Dies wiederum hilft auch bei der ständigen „automatischen“ Verbesserung der Arbeitssicherheit. Und irgendwann einmal wird es vielleicht den komplett autonom agierenden Sicherheits- und Gesundheitsschutz geben: Systeme erstellen und analysieren Daten und ergreifen Maßnahmen bei Bedarf – vorausgesetzt, bis dahin sind die absehbaren Probleme mit Datensicherheit, Datenschutz und Persönlichkeitsschutz der Beschäftigten gelöst.

Doch das ist wirklich noch Zukunftsmusik. Beschäftigen wir uns lieber mit dem Naheliegenden und heute schon Aktuellen:

Was es bedeutet, wenn Maschinen und Anlagen „4.0“ werden

In nicht allzu ferner Zukunft werden Digitalisierung, Vernetzung und Algorithmisierung von Arbeits- und Produktionsprozessen hin zu vollautomatisierten, „autonomen“ Industrien führen. Sie müssen damit rechnen, dass Abläufe komplexer werden. Und dass zumindest in der Anfangszeit die Risiken für gefährliche Störungen und Ausfälle steigen. Denn noch wissen die Arbeitnehmer nicht genügend darüber, wie sie in rein softwaregesteuerte Prozesse eingreifen können.

Arbeitsschutz 4.0 braucht neue Gefährdungsbeurteilungen

Der Arbeits- und Gesundheitsschutz muss deshalb unbedingt neue Gefährdungsbeurteilungen erarbeiten, die ständig angepasst werden und immer wieder zur Ableitung neuer Maßnahmen führen. Am wichtigsten dabei ist die Mensch-System-Interaktion.

4.0-Systeme sind dynamisch und veränderbar – die Schutzmaßnahmen müssen das ebenso sein. Neben den klassischen Aspekten (Ergonomie, funktionale Sicherheit) müssen ganz neue Themen in die Gefährdungsbeurteilung aufgenommen werden:

  • IT-Sicherheit: Kann die Maschinensteuerung von außen beeinflusst, also „gehackt“ werden?
  • Datensicherheit: Wer sichert die gesetzlichen Standards und die Datenqualität?
  • Analysesicherheit: Wer analysiert die zahlreich vorhandenen Daten und zieht daraus für Arbeits- und Gesundheitsschutz die richtigen Schlüsse?

Wie Assistenzsysteme womöglich die Sicherheit gefährden

Assistenzsysteme unterstützen den Menschen beim Wahrnehmen, Entscheiden und Handeln, beispielweise bei der Bedienung von Maschinen und Transportmitteln, etwa durch Sensoren, die in Kleidung und Kleingeräte integriert sind und vor Gefahren warnen, Schutzmaßnahmen vorschlagen oder sogar selbstständig initiieren können. Außerdem bieten Assistenzsysteme auch die Chance zu einer besseren Integration von Arbeitnehmern mit Behinderung.

Problematisch ist, dass sich Arbeitnehmer zunehmend auf die Assistenzsysteme verlassen, weniger risikobewusst werden und deshalb bei Fehlfunktionen gefährdet sind. (Jeder kennt die Beispiele von hoffnungslos festgefahrenen Lkws an den absurdesten Stellen, deren Fahrer sich blind auf ihr Navi verlassen hatten.)

Arbeitsschutz 4.0 muss solche ungewollten Effekte von vornherein mit berücksichtigen.

Warum Automatisierung schnelle Notreaktionen behindern kann

Zunehmende Automatisierung verändert die Hierarchie innerhalb bestimmter Arbeitnehmergruppen: Während an zentraler Stelle Arbeitnehmer die Maschinen mit Aufträgen „füttern“ und durch Fernwartung die Funktionalität kontrollieren, arbeiten andere direkt an den Maschinen und erhalten von ihnen auch ihre Vorgaben und Arbeitsanweisungen, z.B. per Datenbrille.

Solche Arbeitnehmer sind nur als Funktion, nicht als Akteure gefragt. Häufig sind diese Beschäftigten auch eher gering qualifiziert. Für den Arbeitsschutz unerwünschtes Resultat: Bei Störungen können diese Arbeitnehmer kaum eingreifen.

Deshalb müssen Sie dafür sorgen, dass es bei Gefahrensituationen vor Ort ausreichend und nachvollziehbare Eingreifmöglichkeiten gibt, z.B. Abschalten einer Maschine, Notrufknöpfe und schnell verfügbare Hilfestellungen.

Weshalb Arbeitnehmer für autonome Systeme mitdenken müssen

Autonome Systeme sind nicht perfekt. Beispielsweise ist es für autonome Transportmittel immer noch schwer, Personen auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen sicher und schnell zu erkennen.

Da helfen einerseits technische Lösungen (z.B. Sensoren in der Kleidung). Andererseits müssen Arbeitnehmer darüber aufgeklärt werden, wie autonome Systeme entscheiden und sich „verhalten“. Sie müssen also „für die Maschine mitdenken“. Nur so können letztlich Gefahren minimiert werden.

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Autor: Markus Horn