19.07.2021

Bei Arbeiten im Freien an den Arbeitsschutz denken

Die WHO empfiehlt, ab einem UV-Strahlen-Index von über 3 Schutzmaßnahmen zu ergreifen. In unseren Breitengraden wird diese Indexzahl von Mitte April bis Mitte September übertroffen. Denn bei Sonne wird hier zwischen 10.30 Uhr und 15.30 Uhr ohne Weiteres ein UV-Strahlen-Index von über 5 erreicht. Handeln ist also angesagt! Denn bei allen Arbeiten im Freien sind die gesundheitlichen Gefährdungen durch UV-Strahlung und Hitze überaus real. Stichworte sind „weißer Hautkrebs“, Hitzeerschöpfung oder gar Hitzschlag. Informieren Sie sich hier über die UV- und Hitze-Gefahren bei Arbeiten im Freien.

Arbeiten im Freien

Die Monate Juli und August gelten für Beschäftigte, die im Freien arbeiten, als die gefährlichsten: UV-Strahlung und Hitze bedrohen unmittelbar die Gesundheit.

UV-Gefahr weißer Hautkrebs

Beschäftigte im Hoch- und Tiefbau, im Gartenbau und in der Floristik sowie in der Land- und Forstwirtschaft sind nach einer Auswertung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durch UV-Strahlung besonders gefährdet. Denn die Jahresexposition durch UV-Strahlen ist für Beschäftigte, die im Freien arbeiten, dreimal so hoch wie für andere Arbeitnehmer.

Wegen zunehmender UV-Strahlung und der demografischen Entwicklung gehen Experten davon aus, dass der „weiße Hautkrebs“, wie es bereits in den letzten Jahren der Fall war, weiter zunehmen wird. Beispiele für weißen Hautkrebs sind das Plattenepithelkarzinom sowie die aktinischen Keratosen. Beide Formen sind seit 2015 anerkannte Berufskrankheiten.

Die Betroffenen sind überwiegend Männer (87 %), da sie häufiger ihre Berufe im Freien ausüben.

Wie hoch ist das konkrete Risiko durch UV-Strahlung?

Die BAuA hat dazu einen UV-Index entwickelt, der sich an einer sonnenbrandwirksamen Bestrahlungsstärke misst und auf einer Skala Werte von 0 bis 11+ erreicht. Gemäß WHO-Empfehlung sind ab einem UV-Index von 3 Schutzmaßnahmen notwendig. Dieser wird nach einer Auswertung des solaren UV-Monitoring-Messnetzes an 135 bis 165 Tagen erreicht. Daraus ergibt sich dann ein UV-Gefährdungskalender. Hinweise und Erläuterungen zum UV-Kalender der BAuA finden Sie auf deren Website.

Auch bei Hitze ist Arbeiten im Freien gefährlich

Ein Thema, das wegen des Klimawandels immer mehr unter den Nägeln brennt, ist die Belastung von Beschäftigten, die im Freien arbeiten, durch die immer häufiger auftretenden Hitzeperioden ohne nennenswerte Abkühlung.

Hitze muss selbst im Ruhezustand vom Körper nach außen abgegeben werden können, damit die Körpertemperatur nicht ansteigt. Je höher die Außentemperaturen liegen, desto schwieriger wird es, diesen Prozess reibungslos ablaufen zu lassen. Somit steigt die körperliche Belastung.

Wird dieser Regulationsmechanismus überlastet, werden Beschäftigte schneller müde und können mental und physisch weniger leisten. Die Gefahr von Arbeitsunfällen steigt.

Im Extremfall sind auch Hitzeerkrankungen und Tod durch Hitzschlag möglich. In Unterweisungen sollten Beschäftigte lernen, bei Kollegen frühzeitig Symptome zu erkennen und Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten:

  • Sonnenstich: Dabei handelt es sich um eine Reizung der Hirnhäute durch Sonnenstrahlung auf den ungeschützten Kopf. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit bis zum Erbrechen sowie Nackensteifigkeit. Betroffene sind mit dem Kopf nach oben zu lagern; der Kopf kann mit nassen Tüchern gekühlt werden, bis der Rettungswagen eintrifft.
  • Hitzeerschöpfung: In diesem Fall ist der ganze Körper überwärmt und erleidet einen Flüssigkeitsverlust, wodurch ein Schockzustand eintritt. Neben Symptomen ähnlich dem Sonnenstich (vor allem Übelkeit und Erbrechen) kann eine Hitzeerschöpfung an Schüttelfrost, starkem Schwitzen, Hautblässe, schnellem Puls und Blutdruckabfall erkannt werden. Betroffene sollten mit leicht erhöhtem Kopf und erhöhten Beinen gelagert werden, bis Hilfe kommt.
  • Hitzschlag: Hier liegt eine extreme Überwärmung des Körpers auf oft mehr als 40 °C vor. Betroffene taumeln häufig, sind verwirrt oder sogar bewusstlos. Die Haut ist heiß, rot und trocken. Bis der Rettungswagen eintrifft, kann der Körper z.B. mit kaltem Wasser gekühlt werden. Schwere Kleidung muss ausgezogen werden. Betroffene müssen im Schatten ruhen. Um psychische Folgen (z.B. Angststörungen) zu vermeiden, sollten sie nicht allein gelassen werden.

Diese Faktoren verursachen oder begünstigen Hitzeerkrankungen

Ursachen für Hitzeerkrankungen sind in der Regel multifaktoriell. Deshalb sollten Führungskräfte begünstigende Faktoren kennen:

  • hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • direkte Sonneneinstrahlung
  • höheres Alter und bestehende gesundheitliche Probleme
  • Flüssigkeitsmangel
  • körperliche Anstrengung
  • geringe Luftbewegung
  • Art und Schwere von Kleidung und PSA
  • frühere Hitzeerkrankungen
  • längere Dauer der Hitzeexposition

Tipps für Schutzmaßnahmen bei Arbeiten im Freien

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Autor: Markus Horn