12.01.2021

Ergonomie am Arbeitsplatz

Ergonomie am Arbeitsplatz meint die Anpassung der Technik an den Menschen. Konkret erfolgt dies durch Arbeitssysteme, die an die menschlichen Körpermaße angepasst sind und die unterschiedlichen Nutzergruppen berücksichtigen. Mit ergonomisch günstig gestalteten Arbeitsbedingungen wird ein Beitrag zur Bewältigung der Auswirkungen des demografischen Wandels geleistet.

Ergonomie

Die frühzeitige Einbindung der Grundsätze der Ergonomie am Arbeitsplatz dient der Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen und hilft, arbeitsbedingte Erkrankungen zu vermeiden.

Gesetzliche Grundlage

Gesetzliche Grundlage ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Nach § 2 des Arbeitsschutzgesetzes sind Maßnahmen des Arbeitsschutzes Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen bei der Arbeit und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einschließlich Maßnahmen der menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

Damit ist die Ergonomie als Maßnahme des Arbeitsschutzes festgeschrieben.

Nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.

Als Hinweis für die Beurteilung führt der Gesetzgeber die folgenden fünf Punkte auf:
  1. die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes
  2. physikalische, chemische und biologische Einwirkungen
  3. die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit
  4. die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken
  5. unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten
Die aufgelisteten Gefährdungen beinhalten zum großen Teil zu lösende Fragen.

 

Beurteilung einer ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung

Die Arbeitswelt von heute ist voll von Belastungen der unterschiedlichsten Art. Es handelt sich um körperliche, seelische und geistige Belastungen.

Was bedeutet Ergonomie heute?

Im Gegensatz zu einem ursprünglich eher „retrospektiv“ orientierten und „korrektiven“ Arbeitsschutz ermöglicht die Nutzung ergonomischer Erkenntnisse heute eine dynamische und vorausschauende Gestaltung auch im Sinne eines „kontinuierlichen Verbesserungsprozesses“.

Die frühzeitige Einbindung ergonomischer Erkenntnisse in die Gesamtplanung eines Produktionsprozesses ist für den Unternehmer wirtschaftlich und für die Beschäftigten gesundheitsfördernd bzw. dient der Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen.

Definition des Begriffes Ergonomie

Ergonomie ist die Anpassung der Arbeit an die Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen durch Gestaltung von
  • Arbeitsplatz, Arbeitsraum,
  • Arbeitsmittel (Maschine, Werkzeug etc.),
  • Arbeitsumgebung, Klima, Beleuchtung, Lärm,
  • Gefahrstoffe,
  • Arbeitsorganisation, Arbeitsaufgabe, Arbeitsablauf
und Auswahl des Menschen für die Arbeit durch
  • Auswahl von Personen mit Fähigkeiten und Eigenschaften entsprechend der Anforderung,
  • Ausbildung,
  • Gewöhnung, z.B. an die Klimaverhältnisse.
Ziel der Anpassung:
  • Der Mensch soll weder über- noch unterfordert werden.
  • Das beste Arbeitsergebnis nach Menge und Güte soll erreicht werden.
Die Gestaltung der Arbeit nach arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen ist in DIN 33400 ff. und in harmonisierten europäischen Normen, z.B. DIN ENV 26385, beschrieben.

Ergonomie und die Beurteilung von Arbeitsbedingungen

Nach betriebswirtschaftlichen Vorstellungen ist der Mensch Träger des Produktionsfaktors „Arbeit“. In der Kostenrechnung eines Betriebs wird dieser Produktionsfaktor vorwiegend nach den allgemeinen Kriterien der Rentabilität beurteilt. Dieser rein wirtschaftlichen Betrachtung steht das ergonomische Konzept der Beziehung von „Belastung“ und „Beanspruchung“ gegenüber Die Anwendung dieses Konzepts erlaubt ein pragmatisches Vorgehen bei der „Beurteilung von Arbeitsbedingungen“ entsprechend den Forderungen des Arbeitsschutzgesetzes (§ 5). 

Voraussetzung für die Anwendung dieses Konzepts ist eine möglichst detaillierte Beschreibung der im jeweiligen Einzelfall vorliegenden Arbeitsbedingungen (Dokumentation nach § 6 Arbeitsschutzgesetz). Für diese Beschreibung kann man im Allgemeinen auf betriebliche Unterlagen, beispielsweise aus der Planung oder Fertigungsvorbereitung, zurückgreifen.

Die Beschreibung beginnt mit der Darstellung der „Arbeitsaufgabe“ und des „Arbeitsplatzes“. Dafür empfiehlt sich die Nutzung einfacher Fragen wie: „Was soll als Arbeitsergebnis erreicht werden?“ und „Wie soll das Arbeitsergebnis erreicht werden?“

Die Beantwortung solcher Fragen führt zu einer Beschreibung von Anforderungen, die bei der eigentlichen Arbeitsausführung an den Menschen gestellt werden. Diese Anforderungen werden üblicherweise bereits bei der Arbeitsplanung festgelegt und sind vor allem davon abhängig, welche Arbeitsmittel – in Form von Werkzeugen, Vorrichtungen oder Maschinen – dem Menschen zur Erledigung seiner Arbeitsaufgaben zur Verfügung stehen.

Auch aus der Festlegung einer Arbeitsdauer und der Arbeitszeit ergeben sich Anforderungen, die bei der Beschreibung berücksichtigt werden müssen.

Weiter müssen die entstehenden oder bestehenden Einflüsse der physikalischen und chemischen Arbeitsumgebung – z.B. Beleuchtung, Klima oder Schall und gefährliche Arbeitsstoffe – erfasst werden.

Im ergonomischen Konzept der Analyse werden alle diese Anforderungen unter dem Begriff der Arbeitsbelastung zusammengefasst. Mit diesem Konzept kann der im allgemeinen Sprachgebrauch nur qualitativ verwendete Begriff von Belastung häufig quantifizierbar gemacht werden. So ergibt sich beispielsweise für einen manuellen Lastentransport die zu tragende Last (in kg) als „Belastungshöhe“ und aus dem zurückzulegenden Weg kann auf die zu erwartende „Belastungsdauer“ geschlossen werden.

Ähnlich wie schon bei den Fragen zur Quantifizierung von Belastung muss also versucht werden, entsprechende Sachverhalte wie beispielsweise Alter, Geschlecht oder Körperabmessungen des Menschen zu beschreiben. Neben diesen „objektiv“ beobachtbaren Eigenschaften sind auch Aussagen zur fachlichen Qualifikation oder der Motivation von Interesse. Die Umsetzung dieses Konzepts stößt im betrieblichen Alltag häufig auf die gegensätzlichen Interessen der Fertigungsvorbereitung. Dem betrieblichen Interesse nach einer möglichst hohen Arbeitsproduktivität bei möglichst niedrigen Kosten stehen nämlich die Grundsätze der betrieblichen Gesundheitsvorsorge entsprechend dem Arbeitsschutzgesetz entgegen.

Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird.

In der „ergonomischen Aufwand-Nutzen-Betrachtung“ kann nun die Beanspruchung als Aufwand des Menschen mit dem erreichbaren Arbeitsergebnis als Nutzen verglichen werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich zwischen dem Aufwand und dem Nutzen in der Regel keine einfache lineare Beziehung nachweisen lässt. Man kann nämlich nicht immer bei maximaler Beanspruchung auch das maximale Arbeitsergebnis erwarten.

Weiterhin soll bei der ergonomischen Gestaltung der Arbeit (das beinhaltet die Gestaltung des Arbeitsplatzes) auch das Bedürfnis des Menschen nach Arbeitszufriedenheit berücksichtigen.

Bei der Arbeitszufriedenheit spielen auch nicht physikalisch messbare Faktoren eine Rolle, wie z.B. die Frage: Welches Ansehen oder welchen sozialen Status hat ein bestimmter Beruf in der Gesellschaft?

Auch persönliche Fähigkeiten oder Fertigkeiten können zur Arbeitszufriedenheit beitragen. Wenn jemand einer Arbeit gewachsen ist, ist die Zufriedenheit größer als wenn die ausgeübte Tätigkeit schwerfällt. Hier liegt eine Verpflichtung sowohl des Beschäftigten als auch des Unternehmers zur Information und Weiterbildung vor.

Auch jede Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Training führt zu einer Reduzierung der Beanspruchung.

Andererseits führen Alterseffekte (Veränderung der Muskelkraft oder der Fähigkeiten der Sinnesorgane) zu einer Erhöhung der Beanspruchung, die jedoch zum Teil durch Lebens- und Berufserfahrung ausgeglichen werden kann.

Als Grundlage für die ergonomische Beurteilung von Arbeitsbedingungen hat sich ein stufenweises Vorgehen bewährt. Dabei ist eine Abstufung der Gefährdung von oben nach unten feststellbar, die letztlich in der Zufriedenheit mit der Arbeit endet.

Erträglichkeit bedeutet also nicht nur gefährdungsarme, kurzfristige Ausführbarkeit, sondern Ausführbarkeit ohne Beeinträchtigung über die Dauer des ganzen Arbeitstages unter der Annahme täglicher Wiederholung.

Die Frage nach der Zumutbarkeit einer Arbeit kann der Mensch eigentlich nur selbst beantworten, wobei er heute unter Umständen Abstriche akzeptiert, die er bei völlig freier Arbeitsplatzwahl anders beantworten würden.

Fragen der Zumutbarkeit werden allerdings häufig durch gesetzliche oder tarifvertragliche Regelungen einer allgemeinen Diskussion entzogen. Ein Beispiel hierzu sind alle Regelungen zur Dauer der täglichen, wöchentlichen oder Lebensarbeitszeit.

Autor: Heinz Rüschenschmidt