Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe ergonomisch gestalten

Ergonomie ist die Anpassung der Technik an den Menschen. Konkret erfolgt dies durch Arbeitssysteme, die an die menschlichen Körpermaße angepasst sind und die unterschiedlichen Nutzergruppen berücksichtigen. Mit ergonomisch günstig gestalteten Arbeitsbedingungen wird ein Beitrag zur Bewältigung der Auswirkungen des demografischen Wandels geleistet.

correct sitting© Eraxion /​ iStock /​ Thinkstock

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (§§ 5,6 ArbSchG i.V.m. § 3 ArbStättV, § 3 Betriebssicherheitsverordnung) ist es erforderlich, gemeinsam mit den Arbeitsschutzakteuren und Beschäftigten im Gespräch und vor Ort in den von Ihnen ausgewählten Arbeitsbereichen zu ermitteln und zu bewerten, ob die vorhandenen Arbeitsplätze mindestens in der überwiegenden Anzahl die ergonomischen Mindeststandards erfüllen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet sind?

Dazu müssen Sie die bauliche und technische Gestaltung eines Arbeitsplatzes unter Beachtung aktueller gesetzlicher Vorgaben (u.a. Arbeitsstättenregeln, MaschinenRL, ProduktsicherheitsV) prüfen und bewerten. Dazu gehören:

  • Arbeitsmittel (Maschinen, Werkzeuge, Hardware, Software …)
  • Arbeitsumgebung (Beleuchtung, Gefahrstoffe, Klima, Lärm, Strahlung, Vibration …)
  • Arbeitsplatz, Arbeitsraum (Bewegungsraum, Greifräume, Raumabmessungen, Stühle, Tische …)

Die Bewertung hängt von der Qualität und der Quantität der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze ab. Mindeststandards beziehen sich darauf, dass Arbeitsplätze  z. B.

  • Arbeitstisch,
  • verstellbarer Arbeitsstuhl,
  • verstellbare Fußstütze

vollständig ausgestattet sind und dass ungünstige Körperhaltungen vermieden werden.

Die Arbeitsmittel sind so gestaltet, dass man sie beeinträchtigungsfrei benutzen kann und die Arbeitsumgebung dem Stand der Technik entspricht.

Wie stellen Sie sicher, dass die Arbeitsabläufe ergonomisch gestaltet sind?

Bitte stellen Sie im Gespräch und vor Ort gemeinsam mit den betrieblichen Arbeitsschutzakteuren  in den von Ihnen ausgewählten Arbeitsbereichen fest, ob die vorhandenen Arbeitsabläufe ergonomisch gestaltet sind. Überprüfen Sie dabei, ob die Arbeitsabläufe vor Ort so gestaltet sind, dass die Beschäftigten unter ergonomischen Gesichtspunkten ressourcengerecht arbeiten können.

Die Beispiele für ergonomisch gestaltete Arbeitsabläufe

  • Job-Enlargement,
  • Job-Enrichment,
  • Job-Rotation

sind wichtige Konzepte der menschengerechten Arbeitsgestaltung und zielen vor allem auf Konzepte wie Vollständigkeit, Handlungsspielraum, Anforderungswechsel, Qualifikationserhalt und -erweiterung.

Daneben gibt es weitere relevante ergonomische Aspekte für die Gestaltung von Arbeitsabläufen:

  • Arbeitsaufgaben (Wechsel zwischen be- und entlastenden Tätigkeiten/Anforderungswechsel, Bewegungswechsel, Vermeidung von Mechanisierungslücken)
  • Arbeitsorganisation (an die physische Belastung angepasstes Arbeitstempo und Arbeitspensum, an der physischen Belastung orientierte Arbeitsaufteilung/Arbeitszuteilung, Vermeidung von Zwangstaktungen, Vermeidung von Zeitdruck, Arbeitslogistik und Tätigkeitsabläufe)
  • Soziale Arbeitsbeziehungen (organisierter Informationsaustausch, Schichtübergabe, Entkopplung von Abhängigkeiten z.B. mit Hilfe von zeitlichen Puffern) Arbeitsumgebung (ablauflogische Anordnung der Arbeitsmittel, ablauflogische Anordnung der Prozessschritte/Arbeitsbereiche, Zugänglichkeit von Arbeitsstellen, Entkopplung von Abhängigkeiten z.B. mit Hilfe von zeitlichen Puffern)
  • Gestaltung der Arbeitszeit (Berücksichtigung der circadianen Rhythmik, ausreichende Erholzeiten)
  • Arbeitsmittel (Mensch-Maschine-Schnittstelle, Signalgestaltung, Greifhöhe)

Ergonomisch günstige Arbeitsinhalte zeichnen sich durch Tätigkeiten aus, die physische und psychische Anforderungen enthalten, planende und ausführende Elemente beinhalten und soziale Interaktion ermöglichen. Unnötige und beanspruchende Bewegungen und Handlungen werden vermieden. Mindeststandards ergeben sich z. B. durch die Anwendung arbeitswissenschaftlicher Methoden (z. B. REFA, MTM).

Aus der Gefährdungsbeurteilung: Rubrik – physische Belastungen, sollten Sie die erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorge (Angebot, Pflicht, Wunsch) ableiten (G46).

Autor: Stefan Johannsen 

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