10.10.2019

Arbeiten im Homeoffice macht zufriedener – und gefährdet die Psyche

Rund 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten schon heute regelmäßig außerhalb ihres Unternehmens, unabhängig von Ort oder Zeit, knapp die Hälfte davon auch von zu Hause aus. Das bringt durchaus Nachteile mit sich, wie eine aktuelle Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt. Für die Studie, die im aktuellen Fehlzeiten-Report 2019 erschienen ist, hat das WIdO im Frühjahr 2019 etwa 2.000 Beschäftigte zwischen 16 und 65 Jahren befragt. Lesen Sie, warum Beschäftigte im Homeoffice mit ihrer Arbeit dennoch zufriedener sind als im Büro.

Mehr Autonomie und höhere Arbeitszufriedenheit

Viele Befragte mit Homeoffice berichten von einer höheren Arbeitszufriedenheit und den Vorteilen flexibler Arbeit. Neben einer größerenAutonomie gehört für mehr als zwei Drittel (67,3 %) dazu, dass sie zu Hause mehr Arbeit bewältigen können, und drei Viertel (73,7 %) schätzen daran, dass sie konzentrierter arbeiten können als am Arbeitsplatz. Darüber hinaus beschreibt fast jeder Zweite (45,8 %) mit Homeoffice seinen Arbeitsaufwand außerhalb des Unternehmens als genau richtig.

Mehr psychische Belastungen

Gleichzeitig fühlten sich laut der Befragung 73,4 %der Befragten, die häufig im Homeoffice arbeiten, in den letzten vier Wochen erschöpft. Bei Beschäftigten, die ausschließlich im Büro tätig sind, waren es nur 66 %. Über Wut und Verärgerung klagten 69,8 %der Beschäftigten im Homeoffice gegenüber 58,6 %; bei Nervosität und Reizbarkeit waren es im Homeoffice 67,5 %im Vergleich zu 52,7 %. Auch Lustlosigkeit, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen unterscheiden sich deutlich zwischen den beiden Gruppen.

Im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben. So verlegt laut der WIdO-Befragung jeder Dritte mit Homeoffice häufig Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende (33,9 %). Fast ein Fünftel der betroffenen Befragten berichtet über Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit (18,8 %) oder über Anrufe beziehungsweise E-Mails des Arbeitgebers außerhalb ihrer Arbeitszeiten (19,5 %). Darüber hinaus gibt mehr als ein Drittel der Beschäftigten mit Homeoffice an, dass sie Probleme haben, nach Feierabend abzuschalten (38,3 %). Bei den Beschäftigten, die ausschließlich im Betrieb arbeiten, ist das nur jeder Vierte (24,9 %).

Weniger Fehltage

Trotz der höheren psychischen Belastung haben Beschäftigte im Homeoffice geringere Fehlzeiten (7,7 Tage) als solche, die nur am Unternehmenssitz tätig sind (11,9 Tage). „Im Homeoffice lassen sich die Arbeitszeiten passgenauer einteilen. Unter Umständen arbeiten die Menschen im Krankheitsfall weniger und holen die verlorene Arbeitszeit dann nach“, erläutert Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports.

Wie Beruf und Privatleben im Homeoffice vereinbaren?

Sowohl die psychischen Belastungen als auch die Arbeitszufriedenheit im Homeoffice sind also höher. Antje Ducki, Professorin an der Beuth Hochschule für Technik und Mitherausgeberin des Fehlzeiten-Reports, die Ergebnisse der WIdO-Umfrage, nennt die konkrete Gestaltung der Arbeit und die digitalen Kompetenzen der Betroffenen als wichtige Faktoren, um Job und Privatleben auch zu Hause zu trennen: „Da die digitalen Techniken rund um die Uhr zur Verfügung stehen, braucht es beispielsweise mehr Selbstdisziplin des Einzelnen, sie auch mal auszuschalten.“

Qualifizierung und betriebliches Gesundheitsmanagement

Ducki verweist darauf, dass die Digitalisierung einen massiven Bedarf an Weiterbildung sowie Neu- und Nachqualifizierung auslöst, damit die Fähigkeiten der Beschäftigten den Arbeitsanforderungen gewachsen bleiben. Unternehmen können ihre Beschäftigten darüber hinaus durch Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützen, das von den Krankenkassen durchgeführt wird.

Hinweis

Sie sind auf der Suche nach einer Muster-Gefährdungsbeurteilung für die Arbeit von zu Hause aus? Ein Beispiel, wie eine Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen bei Telearbeit aussehen könnte, finden Sie in unserer umfangreichen Praxishilfe „Psychische Belastungen beurteilen“.

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK/WIdO und des AOK-Bundesverbandes

Autor: WEKA Redaktion