03.04.2017

Das Ampelmodell – Beurteilung von Gefährdungen durch Karzinogene

Gefahrstoffmanagement

Zur Beurteilung von Risiken bei unvermeidlichen Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen wurde vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) das Ampelmodell als ein Bewertungskonzept entwickelt. Der Name „Ampelmodell“ ergibt sich aus der Tatsache, das durch Festlegung von Grenzrisiken drei Bereiche (grün, gelb, rot) definiert werden: niedriges, mittleres und hohes Krebsrisiko. Daran gekoppelt ist ein gestuftes Maßnahmenkonzept.

Das Risikokonzept für krebserzeugende Stoffe wurde bei der Neuordnung der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) im November 2016 in die Rechtsvorschrift integriert. Ein Verweis auf das Konzept wurde bereits vor einigen Jahren in der TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen” aufgenommen.

Veröffentlicht wurde das Konzept zuerst in der Bekanntmachung für Gefahrstoffe 910 (BekGS 910); heute ist es in der TRGS 910 „Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen” enthalten. Häufige Fragen dazu werden in BekGS 911 beantwortet.

Grundlagen

Die vor 2005 geltenden TRK-Werte (Technische Richtkonzentrationen) orientierten sich ausschließlich am Stand der Technik, die Höhe der Gesundheitsrisiken blieb unbestimmt.

Im Risikokonzept des AGS sind dagegen definierte stoffunabhängige Risikobereiche festgelegt, die eine einheitliche Bewertung möglich machen. Der stufenweise Ansatz ermöglichte eine der Dringlichkeit angemessene Reaktion. Je höher die Belastung mit dem krebserzeugenden Stoff, umso umfangreichere Minimierungsmaßnahmen werden notwendig. Das Konzept unterstützt die im Betrieb Verantwortlichen bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen.

Konzept

Die Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Risiko (grüner und gelber Bereich) wird als Akzeptanzrisiko bezeichnet. In einer Übergangsphase wurde es auf 4 : 10.000 festgelegt, das bedeutet, dass von 10000 Personen, die dem Stoff ein ganzes Arbeitsleben (40 Jahre, 8 Stunden am Tag) ausgesetzt waren, statistisch 4 Personen an Krebs erkranken. Bis spätestens 2018 sollte dieses Risiko ursprünglich auf 4 : 100.000 verringert werden und entspräche dann dem durchschnittlichen Krebsrisiko außerhalb des Arbeitsplatzes. (Es zeichnet sich jedoch ab, dass dieses Ziel bei vielen Kanzerogenen bis auf Weiteres wohl nicht erreicht werden kann.)

Die Grenze zwischen hohem und mittlerem Risiko (gelber und roter Bereich) wird Toleranzrisiko genannt. Es entspricht einem zusätzlichen statistischen Risiko von 4 : 1.000. Dies ist etwa vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein am Arbeitsplatz mit Gefahrstoffen unbelasteter Nichtraucher während seines Lebens an Lungenkrebs erkrankt.

Mit den Risikobereichen verknüpft ist ein gestuftes Maßnahmenkonzept (TRGS 910).

Unterhalb des Akzeptanzrisikos (grüner Bereich) ist das Risiko hinzunehmen. Es sind nur allgemeine Schutzmaßnahmen notwendig.

Zwischen Akzeptanz- und Toleranzrisiko (gelber Bereich) ist das Gesundheitsrisiko unerwünscht. Weitere Maßnahmen zur Minimierung der Exposition sind geboten.

Oberhalb des Toleranzrisikos (roter Bereich) ist das Gesundheitsrisiko nicht mehr tolerierbar. Eine deutliche Minderung der Exposition ist notwendig, sonst droht ein Anwendungsverbot.

Anwendung

Da krebserzeugende Stoffe unterschiedlich stark wirken, muss für jeden Stoff das bestehende Risiko ermittelt werden, um entscheiden zu können, in welchem der drei Bereiche eine gegebene Belastung einzuordnen ist. Dazu leitet der AGS aus toxikologischen Daten stoffspezifische Exposition-Risiko-Beziehungen (ERB) ab. Diese beschreiben die statistische Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Krebserkrankung bei inhalativer Aufnahme des Stoffes in Abhängigkeit von der Konzentration. Aus der ERB eines Stoffes lässt sich die jeweilige Akzeptanz- und Toleranzkonzentration ableiten, die angibt, welche Konzentration des Stoffes in der Luft dem Akzeptanz- bzw. Toleranzrisiko entspricht.

Anwendungsbeispiel: Für einen krebserzeugenden Stoff wurden eine Akzeptanzkonzentration von 1 mg/m3 und eine Toleranzkonzentration von 10 mg/m3 ermittelt. Die Messung des Stoffs am Arbeitsplatz ergab eine Konzentration von 3 mg/m3 (als Schichtmittelwert). Das Risiko liegt demnach im gelben Bereich. Es sind die entsprechenden Maßnahmen nach TRGS 910 anzuwenden.

Bisher gibt es nur für wenige Stoffe ERB und spezifische Konzentrationswerte (TRGS 910), das Verzeichnis wird jedoch ständig erweitert.

Inzwischen ist das Ampelmodell nicht mehr auf Luftgrenzwerte beschränkt: Seit 2016 gibt es auch stoffspezifische Äquivalenzwerte in biologischem Material zu Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen, die ähnlich wie die biologischen Arbeitsstofftoleranzwerte in der TRGS 903 aufgebaut sind.

Autor: Martin Feifel-Beck

Sie sehen nur einen Ausschnitt aus dem Produkt „Betriebliches Gefahrstoffmanagement“. Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, „Betriebliches Gefahrstoffmanagement“ 30 Minuten lang live zu testen - sofort, ohne Registrierung und mit Zugriff auf fast alle Funktionen.

„Betriebliches Gefahrstoffmanagement“ jetzt 30 Minuten live testen!