23.06.2016

Alleinarbeitsplatz

Sicherheitsingenieur

Arbeitet eine Person außerhalb der Sicht- und Rufweite von anderen Menschen, spricht man von einem Alleinarbeitsplatz. Dabei ist unerheblich, ob dieser Arbeitsplatz im Freien oder in geschlossenen Räumen liegt und über welchen Zeitraum die Person allein arbeitet.

Für die Arbeitssicherheit ist unabdingbar, dass Personen mit Alleinarbeitsplatz vor Arbeitsantritt auf spezifische Gefahren und mögliche Schutzmaßnahmen hingewiesen werden. Auch ein Notruf muss vom Alleinarbeitsplatz abgesetzt werden können, falls die allein arbeitende Person in eine hilflose Lage gerät. Hierfür ist eine technische Rufeinrichtung, mindestens ein Telefon oder eine Personen-Notruf-Anlage, kurz PNA, bereitzustellen. Die Verantwortung für die Risikobewertung von Alleinarbeitsplätzen und die Unterweisung in bzw. Bereitstellung von geeigneten Schutzmaßnahmen trägt der Arbeitgeber.

Gefährdungsbeurteilung für den Alleinarbeitsplatz

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lassen sich Unfälle nie ganz ausschließen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Gefährdungen zu beseitigen oder so weit wie möglich zu reduzieren. Bei der Beurteilung von Alleinarbeitsplätzen (auch: Einzelarbeitsplätze (EAP)) ist § 25 der Unfallverhütungsvorschrift ”Grundsätze der Prävention“ relevant:

(1) Der Unternehmer hat unter Berücksichtigung der betrieblichen oder schulischen Verhältnisse durch Meldeeinrichtungen und organisatorische Maßnahmen dafür zu sorgen, dass unverzüglich die notwendige Hilfe herbeigerufen und an den Einsatzort geleitet werden kann.

Daraus ergibt sich, dass der Unternehmer geeignete Maßnahmen treffen muss, um den allein arbeitenden Mitarbeiter so zu überwachen, dass er die nötige Erste Hilfe erhält, falls ein Notfall eintritt. § 8 der Vorschrift konkretisiert, dass eine Person, die gefährliche Arbeiten allein verrichtet, durch geeignete Personenschutzmaßnahmen überwacht werden muss:

(2) Wird eine gefährliche Arbeit von einer Person allein ausgeführt, so hat der Unternehmer über die allgemeinen Schutzmaßnahmen hinaus für geeignete technische oder organisatorische Personenschutzmaßnahmen zu sorgen.

Aber: Wenn es verboten ist, eine Arbeit allein auszuführen, darf dieses Verbot nicht umgangen werden, indem man eine Personen-Notsignal-Anlage einsetzt.

Ausschlüsse

Ein Alleinarbeitsplatz muss, ebenso wie die dafür geeignete Person, vom Arbeitgeber im Vorfeld geprüft werden. Personen mit chronischen Erkrankungen z.B. müssen grundsätzlich ihre Einsatzmöglichkeiten mit einem Arzt und dem Betriebsrat abklären.

Für den Arbeitsplatz selbst wird zunächst das Gefährdungspotenzial jeder einzelnen Tätigkeit, dann die Wahrscheinlichkeit eines Notfalls ermittelt und jeweils in einer dreistufigen Skala mit „Gering”, „Erhöht” und „Kritisch” bewertet. Zuletzt wird noch die Zeit vom Auslösen eines Personen-Notrufs bis zum Einsetzen von Hilfsmaßnahmen betrachtet. Alle Ergebnisse münden in Bewertungsziffern, aus denen sich das Risiko errechnen lässt, um die möglichen Maßnahmen abzuleiten. Ein Risikowert > 30 verlangt zusätzliche Risiko-Minimierungsmaßnahmen, sind diese nicht möglich, ist die Alleinarbeit ausgeschlossen.

Generell ausgeschlossen ist die Alleinarbeit für Tätigkeiten, bei denen im Fall einer Verletzung ein sofortiges Einschreiten einer Hilfsperson nötig wäre, wie z.B. bei Arbeiten in Behältern, an Bahngleisen, mit Motorkettensägen, Untertagearbeiten in Erdgas führenden Gesteinsschichten, Taucherarbeiten etc.

Autor: Renata Kasravi

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