04.12.2019

Alleinarbeit: Wer hält die Stellung?

Jetzt, in den Wochen rund um den Jahreswechsel, betrifft sie wieder etliche Beschäftigte: die Alleinarbeit. Der größte Teil der Belegschaft ist im Urlaub, in vielen Abteilungen wird nur ein Not- oder Bereitschaftsdienst betrieben. Zahlreiche Mitarbeiter arbeiten in dieser Zeit außerhalb der Sichtweite von Kollegen und damit allein. Für diese Situation sind Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen und auch bei der Auswahl der allein arbeitenden Beschäftigten ist einiges zu beachten.

Alleinarbeit über die Feiertage

Jeder Mitarbeiter, der außerhalb von Sicht- und Rufweite zu anderen Personen arbeitet, leistet Alleinarbeit – etwa während der ruhigen Zeit über die Feiertage. Allerdings ist es grundsätzlich verboten, alleine gefährliche Arbeiten zu verrichten.

Was sind „gefährliche Arbeiten“ bei Alleinarbeit?

Wenn das Arbeitsverfahren, die Art der Tätigkeit, die Stoffe oder die Umgebung eine erhöhte oder kritische Gefährdung darstellen und keine ausreichenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden können, ist der Begriff „gefährliche Arbeiten“ angebracht. Beispiele für gefährliche Arbeiten: Tätigkeiten an Geräten und Maschinen unter elektrischer Spannung oder das Schweißen.

Allgemeine Gefahren wie das plötzliche Erleiden eines Herzinfarkts oder eines Kreislaufzusammenbruchs sprechen hingegen nicht gegen Alleinarbeit. Somit ist es auch problemlos möglich, dass nur ein Mitarbeiter in einer Abteilung „die Stellung hält“, solange er keine gefährlichen Arbeiten erledigt.

Gefährliches Arbeiten in Alleinarbeit

Vom Prinzip, dass gefährliche Arbeiten nicht allein vorgenommen werden sollen, kann aber aus betrieblichen Notwendigkeiten abgewichen werden (DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, § 8 Gefährliche Arbeiten). In diesem Fall hat der Unternehmer geeignete Vorkehrungen zur Überwachung zu treffen. Diese Überwachung kann durch technische oder organisatorische Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu sind nach einem Stufenkonzept die Gefährdungen zu ermitteln und zu beurteilen:

  • Eine geringe Gefährdung besteht, wenn die beschriebenen Gefahren kein Lebensrisiko beinhalten, sondern alltäglicher Art sind. Dann muss aber auch zu erwarten sein, dass die Person handlungsfähig bleibt und selbst Hilfe holen kann. In diesem Fall ist eine Überwachung nicht notwendig und Alleinarbeit ohne Weiteres möglich.
  • Ist die Gefährdung allerdings erhöht (z.B. durch Brand- und Explosionsgefahren oder wenn an Maschinen mit beweglichen Teilen gearbeitet wird), kann es zu erheblichen Verletzungen und damit zu einer Einschränkung der Handlungsfähigkeit kommen. Bei erhöhten Gefährdungen sind die allein arbeitenden Beschäftigten mit einem Personen-Notsignal-System auszustatten. Mitarbeiter in Not können diese Geräte selbst auslösen. Sind sie dazu nicht mehr in der Lage, lösen die Geräte eigenständig einen Alarm aus (wenn sich z.B. eine Person längere Zeit nicht bewegt hat). Wichtig ist in diesen Fällen eine besonders sorgfältige Unterweisung im Bedienen des Geräts, da bei Alleinarbeit niemand unterstützen kann.
  • Ist die Gefährdung kritisch, ist Alleinarbeit verboten. Dazu zählen u.a. Risiken durch Absturz, Enge oder Sichtbehinderung, aber auch erschwerte Fluchtbedingungen. Wer in einer solchen Situation im Not- und Bereitschaftsdienst arbeitet, sofern die Arbeit nicht bis zum regulären Betriebsablauf warten kann, muss sich Unterstützung holen. Mitarbeiter in Alleinarbeit, also auch jene im aktuellen Not- und Bereitschaftsdienst über die Feiertage, sind in Bezug auf sicheres Verhaltens besonders zu unterweisen.

Mitarbeiter sorgfältig auswählen

Für den Not- oder Bereitschaftsdienst über die Feiertage dürfen nicht alle Mitarbeiter bestimmt werden. Vielmehr gibt es Beschäftigte, die grundsätzlich von Alleinarbeit ausgeschlossen sind:

  • Jugendliche und schwangere Frauen
  • Mitarbeiter mit chronischen Erkrankungen (Anfallsleiden)
  • Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen
  • Mitarbeiter mit Verdacht auf eine Suchterkrankung
  • Mitarbeiter mit erhöhten Gesundheitsrisiken (z. B. nach schwereren Krankheiten)

Die direkten Führungskräfte kennen ihre Mitarbeiter am besten und sollten sie dementsprechend auswählen.

Hinweis

Auch die psychischen Belastungen müssen in die Gefährdungsbeurteilung bei Alleinarbeit aufgenommen werden. Dazu gehören u.a. Stress wegen mangelnder Unterstützung bei außergewöhnlichen Ereignissen, Überforderung sowie Gefühle der Isolation und der Angst.

Autor: Markus Horn