06.12.2022

Alleinarbeit: So machen Sie Ihren Notdienst über Weihnachten sicher

In der Zeit „zwischen den Jahren“ stehen viele Betriebe ihren Kunden in ausgesprochenen Notfällen zur Seite. Und genau hier kann ein Problem entstehen, wenn der Mitarbeiter im Notdienst allein ist. Denn Alleinarbeit ist immer auch ein mögliches Sicherheitsrisiko. Lesen Sie jetzt, welche Maßnahmen Sie ergreifen sollten!

Alleinarbeit an Weihnachten

Wie ist Alleinarbeit eigentlich genau definiert? Ein Blick in die DGUV Regel 100-001 gibt hier klar Auskunft: „Alleinarbeit liegt vor, wenn eine Person allein, außerhalb von Ruf- und Sichtweite anderer Personen, Arbeiten ausführt.“ Eine zeitliche Eingrenzung wird nicht beschrieben, sodass die Vorschriften für Alleinarbeit auch dann zu beachten sind, wenn diese nur ausnahmsweise (z.B. über die Weihnachtsfeiertage) stattfindet.

Wer nicht in Alleinarbeit beschäftigt werden darf

Ausgeschlossen von Alleinarbeit sind grundsätzlich Jugendliche und schwangere Frauen, Beschäftigte mit Anfallsleiden, psychischen Erkrankungen und suchterkrankte Beschäftigte sowie generell Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit erhöhten Gesundheitsrisiken (z.B. mit Vorerkrankungen). Diese Beschäftigten dürfen auch für kurze Notdienste über Weihnachten und Neujahr nicht in Alleinarbeit eingesetzt werden.

So ermitteln Sie die Gefährdungsstufe bei Alleinarbeit

DGUV Regel 112-139 gibt Hinweise, wie sich die Gefährdung bei Alleinarbeit ermitteln lässt. Die zu beurteilenden Parameter sind

  • die Gefährdung, die von der zu verrichtenden Arbeit ausgeht,
  • die Wahrscheinlichkeit eines Notfalls und
  • der Zeitraum, bis Hilfe von Ersthelfern oder Rettungskräften eintreffen kann.

Aus diesen Beurteilungen wird ein Risikofaktor R ermittelt, der für ein akzeptables Risiko den Wert von 30 nicht überschreiten darf. Um ihn ggf. zu senken, sind technische oder organisatorische Maßnahmen durchzuführen.

Gelingt dies nicht, ist Alleinarbeit nicht zulässig. Die jeweils erforderlichen Maßnahmen hängen davon ab, welche Gefährdungsstufe ermittelt wird (gering, erhöht, kritisch). Auch bei einer kritischen Gefährdungsstufe ist Alleinarbeit möglich, erfordert aber Maßnahmen.

Was bei Gefährdungsstufe „gering“ gilt:

In den meisten Fällen sind Notdienste über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel hinweg klassische Telefondienste, die auch dringende E-Mails abarbeiten. Hier ist bei Alleinarbeitnehmern die Gefährdungsstufe als gering zu betrachten, und es genügt im Prinzip ein leitungsgebundenes Telefon bzw. eine stationäre Rufanlage, mit welcher Hilfe gerufen werden kann.

Die Sicherheit erhöhen lässt sich durch den Hinweis, dass die diensthabenden Beschäftigten ihr Mobiltelefon (bzw. ein Firmenhandy) mitführen sollen, wenn sie sich vom Arbeitsplatz entfernen.

Was bei Gefährdungsstufe „erhöht“ oder „kritisch“ gilt:

Ist die Gefährdungsstufe erhöht und die Notfallwahrscheinlichkeit hoch oder die Gefährdungsstufe kritisch, ist der Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen (PNA) sinnvoll. Notfall-Apps sind dafür kein Ersatz; allerdings können sie immer dann, wenn mobile Telefone erforderlich sind (erhöhte Gefährdungsstufe), den Notruf-Komfort verbessern und dadurch sinnvoll sein.

Was Sie über Alleinarbeit bei gefährlichen Tätigkeiten wissen müssen

Bei gefährlichen Tätigkeiten ist Alleinarbeit untersagt. Dies gilt beispielsweise für Tätigkeiten in Behältern, engen Räumen oder bei Absturzgefahr. Das Verbot gilt grundsätzlich immer dann, wenn sich hohe Risiken weder technisch noch organisatorisch minimieren lassen und die Eintrittswahrscheinlichkeit als hoch eingestuft wird.

Ist abzusehen, dass ein Noteinsatz solche riskanten Tätigkeiten erforderlich machen kann, sind die für den Notdienst eingeteilten allein arbeitenden Beschäftigten zu unterweisen, dass sie für diese Tätigkeiten Unterstützung organisieren müssen.

Dies kann etwa in Form eines Bereitschaftsdiensts geschehen: Erhält die beschäftigte Person im Notdienst von einem Kundenunternehmen eine Anforderung, die eine Tätigkeit mit hohen Risiken notwendig machen könnte, ruft sie eine vorher definierte Person (Bereitschaftsdienst) zur Unterstützung an.

Autor*in: Markus Horn