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03.08.2016

A-Staub: Alles bereit für den Stichtag?

Schon 2014 wurde die deutliche Absenkung des Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) für A-Staub von 3,0 auf 1,25 mg/m3 beschlossen. In etlichen Betrieben änderte sich jedoch nicht viel, weil man sich innerhalb des Übergangszeitraums bis 31.12.2018 sicher fühlt. Es wird also Zeit, sich mit dem Thema Staub wieder zu beschäftigen, um die geforderten Arbeitsplatzgrenzwerte bis zum Stichtag einhalten zu können.

Staub© KatarzynaBialasiewicz/​iStock/​Thinkstock

Stäube sind in der Luft fein verteilte, feste Teilchen, die durch mechanische Bearbeitung oder Aufwirbeln entstehen, beispielsweise bei der Oberflächenbearbeitung, genauso aber beim einfachen Kehren mit einem trockenen Besen. Auch Rauch, der durch chemische oder thermische Prozesse wie etwa beim Schweißen entsteht, ist im erweiterten Sinne Staub.

Daneben gibt es noch sogenannte Faserstäube, die eine längliche Gestalt besitzen und aus organischem oder anorganischem Material bestehen. Formal existieren zwei Größenklassen bei Stäuben: Als sogenannte „E-Fraktion“ bezeichnet man die Gesamtheit der Stäube, die eingeatmet werden können (E-Staub).

A-Staub, also die sogenannte „A-Fraktion“, enthält die alveolengängigen Stäube, die aufgrund der geringen Größe bis in die Lungenbläschen vordringen können. Für den A-Staub gilt ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von 1,25 mg/m3, für den E-Staub liegt der AGW bei 10 mg/m3. Diese Grenzwerte gelten für Stäube ohne spezielle toxische Wirkung. Besonderen Grenzwertregelungen unterliegen Quarzfeinstaub, amorphe Kieselsäuren und Fasern.

Was passiert bei Überschreitung?

Werden Arbeitsplatzgrenzwerte für Stäube überschritten, dürfen werdende oder stillende Mütter sowie Jugendliche nicht in den entsprechenden Räumen oder mit einschlägigen Tätigkeiten beschäftigt werden. Eine Liste mit stoffspezifischen AGW können Sie der TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ entnehmen. Sowohl für A- als auch für E-Staub ist ein Überschreitungsfaktor von 2 für Expositionsspitzen festgelegt. Das bedeutet, dass für einen Zeitraum von 15 Minuten in einer Schicht der jeweilige Grenzwert um das bis zu 2-Fache überschritten werden darf. Über die ganze Schicht gemittelt (Schichtmittelwert) ist der Grenzwert einzuhalten. Was aber tun, wenn sich der neue Grenzwert für A-Staub von 1,25 mg/m³ nicht einhalten lässt? Betroffene Betriebe können bis 31.12.2018 eine Übergangsregelung nutzen, wonach der alte AGW für A-Staub (3 mg/m³) gilt. Dazu müssen allerdings folgende Voraussetzungen vorliegen:

  • Es muss eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung und eine Expositionsermittlung nach TRGS 402 vorhanden sein.
  • Der Schichtmittelwert liegt unter 3 mg/m³.
  • Branchenübliche technische Schutzmaßnahmen wurden umgesetzt.
  • Ein Schutzmaßnahmenkonzept zur Erreichung des neuen AGW für A-Staub wurde erstellt.
  • Die Beschäftigten wurden über das Schutzmaßnahmenkonzept informiert und unterwiesen.
  • Den Beschäftigten wurde Atemschutz zur Verfügung gestellt.

Wird nicht nur der AGW für A-Staub, sondern auch der für E-Staub überschritten, ist eine arbeitsmedizinische Vorsorge verpflichtend. Im Schutzmaßnahmenkonzept muss in einem Maßnahmenplan unter Angabe konkreter Einzelheiten beschrieben werden, durch welche Maßnahmen und in welchen Zeiträumen die Einhaltung des AGW erreicht werden soll.

Unterweisungen wirksam gestalten

Es hilft, bei den Unterweisungen den Mitarbeitern möglichst plastisch klar zu machen, was beim Einatmen von Stäuben genau passiert. Sind Stäube in der Luft enthalten, werden sie beim Atmen inhaliert und gelangen so in die Atemwege. Größere Partikel werden bereits im Nasen- und Rachenraum abgefangen, das ist unangenehm, aber meist nicht weiter schädlich. Die kleineren Staubteilchen erreichen jedoch die tieferen Atemwege, die Alveolen oder auch Lungenbläschen. Erläutern Sie den Arbeitnehmern, wie deren Gesundheit durch Stäube gefährdet wird:

  • Der Mensch hat eine automatisierte Selbstreinigung der Atemwege durch mikroskopisch kleine Flimmerhärchen, mit denen die Bronchien und deren Verzweigungen ausgestattet sind. Durch ständige leichte Bewegungen transportieren sie im Bronchialschleim abgelagerte Staubteilchen nach oben, wo sie wieder ausgehustet werden können.
  • Werden große Mengen an Stäuben eingeatmet oder sind Stäube toxisch, kann dieser Mechanismus beeinträchtigt werden oder zum Erliegen kommen.
  • Reizungen und Entzündungen zunächst der oberen Atemwege, später der Bronchien und
    des Lungengewebes können die Folge sein.
  • Damit ist der Weg frei für toxische, Krebs erzeugende und allergisierende Staubteilchen, die ihre schädigende Wirkung nun voll entfalten können.

Raucher sind durch Stäube besonders gefährdet, da durch den regelmäßig eingeatmeten Rauch der Selbstreinigungsprozess oft schon grundlegend gestört ist.

Hinweis: Staub wird systematisch unterschätzt
Arbeitnehmer unterschätzen vielfach die Gefahren, die von Feinstäuben ausgehen. Sie betrachten Staub als Schmutz und daher vorwiegend als ein Problem der Sauberkeit und keines für den Gesundheitsschutz. Deshalb sind sensibilisierende Maßnahmen über die Unterweisungen hinaus sinnvoll, z. B. Plakate und Schilder, die gut sichtbar immer wieder auf die Gefahren des Staubs beim Einatmen hinweisen.

 

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