09.03.2018

Die 4 Säulen des Arbeitsschutzes – 4. Die Arbeitsmittelprüfung

Mit der Arbeitsmittelprüfung sind wir bei der letzten der vier zentralen Säulen des Arbeitsschutzes angelangt – den Punkten, an denen wir Sifas zuerst ansetzen sollten, um die Arbeitssicherheit im Betrieb zu verbessern.

Meine Erfahrung ist: Wenn ich in Betrieben zum ersten Mal mit meiner Arbeitsmittelprüfung ankomme, trete ich oft eine groß angelegte Suchaktion nach irgendeiner ominösen Liste los. Das vergilbte Etwas, das mir dann meist präsentiert wird, dürfte vor zehn Jahren bereits alt gewesen sein. Ein Mitarbeiter hat darauf handschriftlich Anlagen und Maschinen ergänzt, bis ihn schließlich entweder sein Engagement verlassen hat oder er selbst das Unternehmen.

Diese „Liste“ muss ich erst einmal manuell auf ihre Aktualität hin prüfen (raten Sie …) und elektronisch zur Verfügung stellen, bevor ich vernünftig mit ihr arbeiten kann. Das klingt nach einer Menge Aufwand – ist aber noch gar nichts im Vergleich zu dem, was bei der eigentlichen Arbeitsmittelprüfung auf mich zukommt.

Die schiere Menge der Geräte, Maschinen, Anlagen, die zu unterschiedlichen Fristen regelmäßig begutachtet werden wollen, bringt auch erfahrene Organisationstalente ins Schwitzen. Obwohl die Sicherheitsfachkraft nicht in allen Fällen prüfen kann oder prüfen darf (je nach Qualifikation), müssen doch der gesamte Vorgang dokumentiert, die Prüffristen verwaltet, die Prüfungen organisiert werden. Und die Unternehmen selbst haben sich mit ihrer ausufernden Zettelwirtschaft hier schon längst ins Chaos gestürzt.

Deshalb habe ich mich bislang ehrlich gesagt vor diesem Thema gedrückt und deshalb behandle ich sie an vierter, nicht an erster Stelle. Das hat nichts damit zu tun, dass die regelmäßige und fristgerechte Prüfung von Anlagen, Maschinen, persönlicher Schutzausrüstung & Co. nicht immens wichtig wäre. Wenn ich mich an einen Gurt hänge, will ich mir schließlich keine Sorgen machen müssen, dass er reißt; und wenn ich den Notausschalter drücke, ja, dann muss der um Himmels willen die Maschine auch stoppen. Nicht umsonst kontrollieren die Behörden hier ganz besonders streng.

Kurz gesagt: Die Arbeitsmittelprüfung ist wichtig, aber ein mühseliges Geschäft. Und ohne Hilfsmittel wie Push-up-Erinnerungen, standardisierter Dokumentenablage oder einer automatischen Überwachung rechtlicher Änderungen wäre sie ein Fass ohne Boden. Sie merken es vielleicht: Ich bin in den letzten Jahren immer mehr dazu übergegangen, mich bei meiner Arbeit – und privat – von elektronischen Hilfsmitteln unterstützen zu lassen. Wie mein Bruder sagt: „Ohne Google Maps würdest du dich im eigenen Haus verirren!“ Aber bevor ich die Hälfte meiner Aufgaben vergesse und viermal unbewusst das gleiche Protokoll ausfülle, mache ich mich lieber abhängig von Tablet, Cloud & Co.

Zum Schluss noch etwas Erfreuliches: Sie haben mit mir zusammen alle vier Säulen des Arbeitsschutzes durchgeackert.

Hier nocheinmal die anderen Teile meiner Arbeitsschutz-Kolumne:

Säule 1: Die Gefährdungsbeurteilungen

Säule 2: Die Betriebsanweisungen

Säule 3: Die Unterweisungen

Bis dahin, …

Autor: Lothar Scholz (seit 15 Jahren selbstständige Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutzbeauftragter)