27.02.2018

Die 4 Säulen des Arbeitsschutzes – 3. Die Unterweisung

Lehrer sein für kurze Zeit
Vorgesetzte, sagt man böse, können besonders gut delegieren. Das werden Sie bei den Betriebsanweisungen vielleicht schon zu spüren bekommen haben – irgendwer muss ja all die Gefahren und Schutzmaßnahmen auf zwei Seiten quetschen (siehe auch Die Betriebsanweisung). Garantiert aber merken Sie das bei den jährlich fälligen Unterweisungen.

Wenn der Abteilungsleiter mit Hundeblick vor ihnen steht, ein „Kann ich nicht, will ich nicht, hab ich nicht gelernt!“ auf den Lippen, dann denken Sie an diesen meinen Rat: Blocken Sie ab! Ersticken Sie jeden Versuch, die Verantwortung für die Unterweisungen an Sie abzugeben, schon im Keim. Sonst jonglieren Sie die nächsten Monate mit mindestens zehn verschiedenen Terminkalendern und telefonieren Mitarbeitern hinterher, die immer krank oder verhindert zu sein scheinen.

Was machen Sie dann mit Ihrem Abteilungsleiter? Sie bieten ihm Ihre Hilfe als Assistent an, Sie geben ihm eine Liste mit den Terminen, an denen Sie können – und Sie überlassen das restliche Organisieren ihm. Auf die Anwesenheit bei der Unterweisung selbst wirkt es übrigens auch Wunder, wenn nicht die Sifa, sondern der Vorgesetzte die Mitarbeitern auffordert: Du bist am Tag x um Uhrzeit y im Raum z.

Das schließt natürlich nicht aus, dass Sie Ihrem Organisator dabei helfen, den Überblick zu behalten. Je mehr Mitarbeiter unterwiesen werden müssen, desto schwieriger wird es, keinen zu vergessen. Relativ praktisch finde ich dafür entsprechende Software-Lösungen, die einen selbst, unter Umständen sogar die Betroffenen, automatisch immer wieder erinnern: Hey, diese Unterweisung fehlt, da muss ich nochmal ran.

Sie selbst stehen übrigens noch früh genug in der Verantwortung: Erfolg oder Misserfolg der Unterweisung hängt von Ihrer Vorbereitung und Ihrem Auftreten ab. Nicht nur wegen der gesetzlichen Forderungen sollten Sie die Unterweisungsinhalte spezifisch auf jeden Betrieb zuschneiden. Ihre „Schüler“ haben so einen höheren Wiedererkennungswert, fühlen sich persönlich angesprochen und passen besser auf. Ein Beispiel: Letztens bin ich in einer Lagerhalle im wahrsten Sinne des Wortes über eine Brandschutztür gestolpert, die so zugestellt war, dass ich sie kaum mehr als solche erkennen konnte. Ich habe ein Foto davon gemacht, es in eine PowerPoint-Präsentation gepackt und diese eine Woche später den Mitarbeitern der Lagerhalle im Rahmen einer Unterweisung gezeigt. Der „Übeltäter“ war auch unter ihnen. Als das herauskam, mussten wir alle herzlich lachen – und derjenige wird in Zukunft garantiert darauf achten, wo er seine Paletten abstellt.

Für die Unterweisung selbst hat jeder so sein Geheimrezept. Ich verwende meist Basisinhalte als PowerPoints und individualisiere diese mit betriebsspezifischen Bildern – wie eben bei besagter Brandschutztür. So hält sich der Aufwand in Grenzen und der Lerneffekt ist nicht zu unterschätzen. Auch kleinere Filme zwischendurch lockern das Ganze auf.

Viel Erfolg mit Ihren Unterweisungen und bis zum nächsten Mal mit Säule Nummer 4: Die Arbeitsmittelprüfung.

Weitere Teile der Kolumne:

Säule 1: Die Gefährdungsbeurteilungen

Säule 2: Die Betriebsanweisungen

Autor: Lothar Scholz (seit 15 Jahren selbstständige Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutzbeauftragter)