21.02.2018

Die 4 Säulen des Arbeitsschutzes – 2. Die Betriebsanweisung

Betriebsanweisungen zählen zwar zu den zentralen Instrumenten der Arbeitssicherheit – sie gehören in jeder Gefährdungsbeurteilung als eine der Maßnahmen aufgeführt, die den Schutz der Mitarbeiter verbessern sollen (siehe auch Die Gefährdungsbeurteilung). Aber viel zu oft beginnt für mich mit der unschuldigen Frage nach den Betriebsanweisungen eine wahre Abenteuerreise hinein in die Untiefen des Unternehmens.

..Der Geschäftsführer und ich schlängeln uns durch schlecht beleuchtete Gänge („Die Kisten hier sind nur temporär – Wasserschaden im Lager!“), passieren eine unendliche Reihe schmuddeliger Türen („Ich hätte schwören können, dieser Schlüssel passt …“) und spätestens nach Tür Nummer 4 gebe ich es auf, mir die Spinnweben aus der Kleidung zu entfernen. Wir streifen durch staubige Kellergewölbe, blättern in zerfledderten Ordnern – und hätte ich einen Hut, meine Verwandlung in Indiana Jones wäre perfekt. Lothar Scholz auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz. Nein, danke.

Zugegeben, ich übertreibe ein bisschen. Aber nicht umsonst ist in der Betriebssicherheitsverordnung davon die Rede, die Betriebsanweisung sei „in verständliche[r] Form und Sprache an geeigneter Stelle zur Verfügung zu stellen“. Jedem Mitarbeiter, der sich proaktiv über die Gefahren einer Maschine informieren möchte, muss es möglich sein, dies auch ohne viel Aufwand zu tun. Entweder klebt, legt, tackert das Unternehmen die Betriebsanweisung unmittelbar an das Arbeitsmittel (was schnell unübersichtlich werden kann, wenn es z.B. mit vielen verschiedenen Gefahrstoffen arbeitet). Oder die Sifa kümmert sich um mehrere zentrale, leicht zu erreichende Nachschlageordner. Möglich sind auch fest installierte Tablets, mit denen Mitarbeiter schnell zu der Anweisung navigieren können, die sie gerade suchen.

Ja, Betriebsanweisungen kosten Zeit und Nerven. Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften wollen beachtet, Herstellerangaben und sicherheitstechnische Regelungen mit aufgenommen werden. Ein einziges Gemisch kann viele unterschiedliche Gefahrstoffe enthalten, alte Kennzeichnungen werden laufend durch neue ersetzt und nichts ist so sicher wie die nächste Gesetzesreform – sollten wir denn irgendwann mal wieder über eine Regierung verfügen. Aber sie sind nun einmal Pflicht – nach Arbeitsschutzgesetz, Betriebs-sicherheitsverordnung sowie DGUV Vorschrift 1 – und, unabhängig vom rechtlichen Druck, auch wirklich sinnvoll. Anstatt sich umständlich durch zig Seiten Benutzerhandbuch zu wühlen, finden Mitarbeiter hier kompakt auf meist ein bis zwei DIN-A4-Seiten alle Gefahren und Schutzmaßnahmen, wenn sie mit Gefahrstoffen, biologischen Arbeitsstoffen, Maschinen oder anderen technischen Anlagen hantieren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um beim Thema Betriebsanweisungen nicht den Überblick zu verlieren. Grundsätzlich gilt: Hat man sich bei der Gefährdungsbeurteilung schon Mühe gemacht, geht auch die Betriebsanweisung bedeutend leichter von der Hand. Ich für meinen Teil greife auf Software zurück, die mir durch vorgefertigte Vorlagen und Symbole einiges an Recherchearbeit abnimmt und es mir erleichtert, die Betriebsanweisungen stets aktuell zu halten.

Zu guter Letzt darf man beim Thema Betriebsanweisungen natürlich nicht unterschlagen, dass die Mitarbeiter ihre Inhalte schon einmal gehört haben sollten, bevor sie eine Anlage zum allerersten Mal bedienen oder sich etwas grundlegend an ihr geändert haben sollte. Stichwort: mündliche Kurzunterweisung. Mehr zu dem sehr breiten, spannenden Thema Unterweisungen lesen Sie hier: zu Säule 3 – Die Unterweisungen

Weitere Teile der Kolumne:

Säule 1: Die Gefährdungsbeurteilungen

Säule 4: Die Arbeitsmittelprüfung

Autor: Lothar Scholz (seit 15 Jahren selbstständige Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutzbeauftragter)