Der Anfang vom Ende der Glühbirne?
Weltweites Aufsehen, aber überwiegend Zustimmung rief die Initiative der australischen Regierung hervor, ab 2010 die klassische Glühbirne zu verbieten. Weniger bekannt ist, dass Fidel Castro schon mehr als ein Jahr zuvor die Bevölkerung Kubas aufrief, auf Glühlampen zu verzichten und auf Energiesparlampen umzusteigen. Doch während man in Kuba eher den fortwährenden Energiemangel des Landes als Anlass vermuten darf, ist die Initiative Australiens eindeutig von der derzeitigen Klimadebatte bestimmt.
Nun schlägt die Deutsche Umwelthilfe vor, Glühlampen auch in Europa zu verbieten und ab 2010 nur noch Lampen der Energie-Effizienzklassen A, B oder C zuzulassen. Glühlampen erreichen bestenfalls Effizienzklasse D, oft nur E oder F und wären mit einer solchen Regelung quasi zum Aussterben verurteilt.
Was bei Kühlschränken möglich sei, nämlich die Kopplung einer Zulassung an die Energieeffizienz, müsse auch bei Beleuchtung möglich werden. Das „Ende der heißen Glühlampe" könne „mit einem einfachen Verwaltungsakt" eingeläutet werden, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch gestern in Berlin.
Laut dem Magazin Focus rennt die Deutsche Umwelthilfe mit ihrer Forderung in Brüssel offene Türen ein. Auch EU-Umweltkommissar Stavros Dimas prüfe derzeit die Chancen für einen europäischen Standard für umweltfreundliche und energiesparende Lampen. Unterstützt wird dieser Ansatz ausdrücklich auch vom deutschen Umweltminister Gabriel.
Das hätte sich Thomas Alva Edison sicher nicht träumen lassen, dass die von ihm (und anderen) erfundene „Kohlefadenlampe" mehr als 100 Jahre später auf einmal weltweit in die Schlagzeilen gerät. Dabei ist die Kritik an der Glühlampe ja nicht neu, aus vorbildlichen Öko-Haushalten sind Glühbirnen nicht zu Unrecht schon lange verschwunden. Hier brennen längst Energiesparlampen, welche die Energie fünf mal so effizienter nutzen als herkömmlichen Glühlampen. Schon Kinder lernen heute, dass diese einen Großteil der Energie in Wärme umsetzen, weshalb sie oft als Heiz-Lampen und Strom fressende Mini-Heizkörper verspottet wurden. Mit mageren 15 Lumen pro Watt ist die Lichtausbeute denn auch deutlich geringer als bei den Energiesparlampen mit satten 66 Lumen pro Watt.
Doch ist die Technik der Energiesparlampen schon rund zwanzig Jahre alt. Experten sehen eine Entwicklung zu neueren Beleuchtungstechnologien auf der Basis von organischen und anorganischen Leuchtdioden, sogenannten OLED („organic light-emitting diode") und LED. Eine weitere Alternative sind die sogenannten IRC-Halogenlampen. In diesem Lampentyp ist der Lampenkolben mit einer speziellen Beschichtung (IRC = „Infra-Red-Coating") versehen, welche das Licht durchlässt, die entstehende Wärmestrahlung jedoch wieder auf die Wendel zurück reflektiert, so dass weniger Energie nötig ist, um die Wendel auf die nötige Betriebstemperatur zu bringen. Bis zu 65 % Kosteneinsparung sind mit diesem Lampentyp zu erreichen, der deshalb besonders gern im Gewerbe eingesetzt wird.
Gern vergessen beim Applaus für die Initiative Australiens wird in diesen Tagen, dass Australien eines der wenigen Länder ist, welche das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet haben. So sinnvoll und vor allem medienwirksam ein Glühlampenverbot auch ist, in Australien wird dieses Verbot die Emissionen an Treibhausgasen um nicht mal ein Prozent verringern.
Eine nachhaltige Umweltpolitik muss mehr bieten als einzelne (und medienwirksame) Maßnahmen. Noch ist nicht zu erkennen, dass die australische Regierung ähnlich konsequent wie gegen die Glühbirne nun auch gegen die Emissionen von Kohlekraftwerken, Aluminum- und Stahlwerken oder der Landwirtschaft vorzugehen beabsichtigt.
Autor: Friedhelm Kring
