HAMcast: das Internet der Zukunft wirft seine Schatten voraus – IFA Berlin: Runderneuerung des Internet nach 30 Jahren unvermeidbar
Informatiker der HAW Hamburg entwickeln das Internet der Zukunft in den Germany Laboratories (G-Lab). HAW Hamburg leitet Projekt zur Erforschung eines serviceoffenen und mobilen Internets, das für alle Anwender nutzbar werden kann. HAMcast heißt die Technologie, die für das neue Internet in Hamburg entwickelt und getestet wird.
HAMcast steht für „Hybrid Adaptive Mobile Multicast" und will in den kommenden drei Jahren vorführen, wie neue nützliche Dienste in einer offenen, innovationsfreudigen Internet-Architektur etabliert werden können. Hierfür erhalten die Internet-Technologen um Prof. Thomas Schmidt von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) eine halbe Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Kein Zweifel - das gute alte Internet ist in die Jahre gekommen: Das heutige Internet wurde bereits vor mehr als 30 Jahren erfunden. Es verbindet inzwischen Millionen von Programmen, die alle über das gemeinsame Internet Protokoll (IP) miteinander vernetzt sind. Die Basis dieses Datenaustauschs ist eine niedrigstehende Kommunikationsschnittstelle, die das Internet Protokoll mit den Anwendungen fest verknüpft. Die inzwischen vielen neue Protokolle und Dienste machen eine neutrale Nutzung der Schnittstellen zunehmend komplexer.
Das System wird zunehmend fehleranfälliger. Deshalb werden zwangsläufig auch immer mehr neue Anwendungen entwickelt, die deutlich erkennbar unflexibel sind und oft mit wenig Servicequalität daher kommen. Dies hat zur Folge, dass die Risiken im Netz zunehmen, und damit ist der Teufelskreis der Innovationsstarre komplett.
Die neuen Internet-Dienste will die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Thomas Schmidt aus der Informatik der HAW Hamburg auf die Überholspur bringen: „Wir möchten den Innovationsstau durch unsere Forschung unterbrechen, indem wir PCs und andere Endgeräte intelligenter an das globale Computernetz ankoppeln" - so Schmidt. Dabei sollen Peer-to-Peer-Techniken genauso zum Standarddienst werden wie mobile Vermittlungsverfahren.
Das Ziel: Gemeinsam mit weiteren Partnern wollen die Wissenschaftler zeigen, wie der Gruppenkommunikationsdienst des Internets (Multicast) in einer neuen, serviceoffenen und mobilen Internet-Architektur für alle Anwender optimal nutzbar werden kann. Multicast bietet die Möglichkeit, Informationen im Internet ohne Server preiswert und schnell zwischen Programmen zu teilen. Dieser Dienst wird von populären Neuentwicklungen wie dem Internet-Fernsehen (IPTV) und Online-Spielen, aber auch von Konferenzsystemen oder dem Katastrophenschutz dringend benötigt.
Die ersten Denkansätze und Ideen hierzu existieren seit nicht weniger als 25 Jahren, aber bisher hat die Unbeweglichkeit der Internet-Interessen das Multicast-System an einer globalen Verbreitung gehindert. Konsequent und zu begrüßen ist, dass HAMcast im Rahmen der nationalen Initiative G-Lab vom BMBF gefördert wird.
Weitere Informationen per E-Mail:
mailto://schmidt@informatik.haw-hamburg.de
Autor: Hans Peter Hahn
