BAM-Prüfung bestätigt: Kältemittel „1234yf“ in Kfz-Klimaanlagen ist gefährlich – Hält die Autoindustrie negative Untersuchungsberichte unter Verschluss?
Das in Autoklimaanlagen verwendete Kältemittel „1234yf" ist brennbar und kann in Unfallsituationen giftige Flusssäuregase entwickeln - so die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) mitteilt. Zu diesem Resultat waren auch frühere Untersuchungen gelangt, die von den Autoherstellern bislang unter Verschluss gehalten würden.
Aufgrund der bekannten Situation hatte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) Matthias Wissmann (früher Bundesverkehrsminister) bereits 2007 angekündigt, Neuwagen ab 2011 mit dem natürlichen und sicheren Kältemittel CO2 auszuliefern. Nach Auffassung der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) ist davon jedoch keine Rede mehr. Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt fordern ebenfalls seit Jahren die Verwendung von CO2 in Fahrzeugklimaanlagen.
Da die innovative Technik serienreif entwickelt sei und CO2-Anlagen effizient arbeiten, sollten sie nach Meinung der DUH auch eingesetzt werden. Entgegen den Zusagen würden jedoch per 1. Januar 2011 keine neuen Auto-Modelle mit Klimaanlagen auf Basis natürlicher Kältemittel ausgeliefert. Das könnte daran liegen, dass sich die Kfz-Hersteller offenbar für das von den US-Chemiekonzernen DuPont und Honeywell forcierte Kältemittel „1234yf" entschieden haben. Diese Chemikalie ist leicht entzündlich und kann im Brandfall tödliche Auswirkungen haben. Selbst das so genannte Datenblatt der Chemiekonzerne stuft den Wirkstoff als gefährlich ein.
Im Auftrag der DUH hat die BAM Auswirkungen von Kältemittelleckagen im Motorraum eines Fahrzeugs untersucht. Die BAM bestätigte die Tests der DUH aus dem Jahr 2008. Danach ist das von der Automobilindustrie favorisierte chemische Kältemittel „1234yf" nicht nur brennbar, sondern setzt auch hochgiftige flusssäurefrei.
Die BAM-Materialforscher haben unter Laborbedingungen Flusssäure-Konzentrationen von über 90 ppm (parts per million) gemessen. Dabei wurde eine erhebliche Korrosion an der Fensterscheibe des Testfahrzeugs festgestellt. Flusssäure ist bereits in geringsten Konzentrationen gesundheitsschädlich und kann irreversible Schäden hervorrufen.
Die Testergebnisse wurden in einem Video dokumentiert.
Tatsächlich verstößt die Automobilindustrie gegen Sinn und Wortlaut einer EU-Richtlinie, die ab 2011 für neue Fahrzeuge weniger Klima freundlichere Kältemittel als den bisher verwendeten Fluorchlorkohlenwasserstoff R134a vorschreibt.
Nach Expertenmeinung liegt der Schluss nahe, dass die Autoindustrie durch die Verwendung von „1234yf" offensichtlich Investitionskosten sparen wolle. Dadurch würde jedoch die Belastung durch hochgiftige Flusssäure bei Unfallsituationen billigend in Kauf genommen.
„Das Risiko, dass sich Fahrzeuginsassen und Rettungskräfte bei einem Autounfall schwere Verätzungen der Luft- und Atemwege zuziehen, ist enorm", so der Verkehrsexperte Dr. Axel Friedrich. „Bereits bei 4 ppm Flusssäurekonzentrationen müssen Rettungskräfte der Feuerwehr spezielle Persönliche Schutzausrüstungen tragen."
Das Video über die bei der BAM durchgeführten Tests steht zur Verfügung unter www.duh.de/klimaanlage_film.html
Weitere Information: www.duh.de
Autor: Hans Peter Hahn
