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Produktsicherheit | 08.02.2010

Selbstschutz vor Computerviren wird gesetzliche Pflicht – Die Bundesregierung sagt Spammern endlich den Kampf an

Nahezu 95 Prozent aller übermittelten E-Mails sind Spam-Nachrichten. Zu diesem Ergebnis kommt der dritte Spam-Bericht der Europäischen Agentur für Internetsicherheit (ENISA). Damit steht fest, dass alle bisherigen Maßnahmen gegen die Spam-Schwemme bisher nur wenig Wirkung zeigen. Das soll sich jetzt nachhaltig ändern.

Die ENISA Agentur hat E-Mail-Dienstanbieter unterschiedlicher Größe und Art aus 30 europäischen Ländern befragt, die zusammen 80 Millionen Email-Postfächer verwalten. Danach sind nur fünf Prozent der E-Mails keine Spam-, sondern reguläre Mails. Im letzten Bericht der Agentur aus 2009 war die Quote mit sechs Prozent sogar noch etwas besser.

„Eine zeitaufwendige und teure Belastung für Europa", konstatiert Udo Helmbrecht, geschäftsführender Direktor der ENISA. Jedes dritte große Unternehmen gibt bis zu einer Million Euro jährlich für Anti-Spam-Maßnahmen aus. Sperrlisten und Mailfilter sind die am häufigsten verwendeten Mittel. Aber  noch immer sind die Erfolge mehr als spärlich.

Als im Jahr 2008 der amerikanische Provider McColo vom Netz genommen wurde, schienen zunächst zwei Drittel des Spam-Aufkommens getilgt. Aber nur Wochen später war alles wie zuvor. Wiederholt hat die EU-Kommission hat die EU-Staaten aufgefordert, die bereits seit 2003 existierenden EU-Rechtsgrundlagen zu nutzen und endlich gegen Online-Bedrohungen energisch vorzugehen. Bisher blieben diese Aufrufe auch in Deutschland ohne jede Reaktion. Kein Wunder - in den Regierungserklärungen der deutschen Bundeskanzler kam das Wort „Internet" bisher nicht einmal vor.

Nur einige wenige der EU-Staaten haben Ernst gemacht und Geldstrafen für Spam-Versender eingeführt. Doch die Unterschiede von Land zu Land sind erheblich.

Doch nun hat sich sogar die Bundesregierung entschlossen: Auf dem IT-Gipfel in Stuttgart sagte man der Virenbelastung privater Computer den Kampf an. Bis zu einem Viertel aller deutschen Rechner seien infiziert, so war dort zu hören, und nahezu 60.000 Neuinfektionen gäbe es Monat für Monat. Kriminelle spähen so bekanntlich nicht nur Kontodaten aus, sondern missbrauchen die PC auch für den Versand von Spam-Mails. Netzwerke (Botnets) mit Tausenden von außen durch so genannte bösartige Programme ferngesteuerter Computer versenden heimlich Spam oder Schadprogramme.

Nun will ENISA Ende 2010 einen Bericht über solche Botnets veröffentlichen. In Deutschland gilt demnächst, dass die PC-Nutzer von ihrem Internetprovider gewarnt werden müssen. Das ist nicht mehr als recht und billig, denn Provider sind seit langem in der Lage, die infizierten Rechner ihrer Kunden zu identifizieren. Diese Warnungen sollen dann per Post oder per Telefon kommen. Denkbar wäre auch per Internetseite, wenn sich diese bei der Einwahl automatisch aufbaut.

Jeder Betroffene kann sich ab April 2010 von einer Beratungsstelle helfen lassen, seinen Rechner zu säubern.  Solche Aktivitäten werden sogar zur gesetzlichen Pflicht - notfalls mit ernsthaften Sanktionen, denn wer im Netz ohne Virenschutz unterwegs ist, gefährdet andere Nutzer. Schon jetzt handelt die EU-Kommission mit den USA ein Abkommen über die Zusammenarbeit in diesem Bereich aus - immerhin kommt jede sechste Spam-Mail von dort.

Damit es bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht bei guten Vorsätzen bleibt, wird am 9. Februar der Safer Internet Day begangen - viele Aktionen und Veranstaltungen in Berlin, Mainz, München und Stuttgart sollen diesen Aktivitäten publicity verschaffen.

Weitere Informationen über:
http://www.klicksafe.de/ueberklicksafe/safer-internet-day/sid-10/index.html
http://www.enisa.europa.eu/act/res/other-areas/anti-spam-measures

Autor: Hans Peter Hahn


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