Katzenfell gehört den Katzen – Für elektrostatische Reibversuche gibt’s nur noch Filz aus Schafwolle
Viele Kunststoffe lassen sich durch Reibung elektrostatisch aufladen - und können bei der Entladung zu gefährlichen Zündquellen werden. Bisher wurde elektrostatische Aufladung nachgewiesen durch Reibversuche mit Katzenfell - das den Katzen in einigen außereuropäischen Ländern bei lebendigem Leib abgezogen wurde. In der EU ist deshalb Katzenfell nun out.
Elektrostatische Aufladung kann katastrophale Folgen haben, wenn es im Produktionsbetrieb explosionsfähige Gase gibt. Seit die EU ein Verbot des Handels mit Hunde- und Katzenfellen verhängte, war nicht nur das Ende des Verkaufs von Decken, Wintermützen und Pelzmänteln aus Katzenfell gekommen. Sondern damit auch das Aus für die elektrostatischen Reibversuche im Rahmen sicherheitstechnischer Bewertungen von Kunststoffen. Doch wie sollte man elektrostatische Aufladung nun nachweisen? Auf der intensiven Suche nach einer Alternative sind die Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) nun fündig geworden.
Bei der PTB hat man deshalb systematisch ein Alternativmaterial gesucht. Von Anfang an war hierbei klar, dass ein solches Alternativmaterial nur ein anderes Tierhaar sein kann, welches eindeutig definiert und weltweit erworben werden kann. Schließlich ergab ein Blick auf die so genannte triboelektrische Reihe, dass Schaffell sogar noch bessere elektrostatische Eigenschaften als Katzenfell aufweist.
Die PTB hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Braunschweiger Firma Gustav Neumann verschiedene Proben aus Schaffell hinsichtlich ihrer Eignung für elektrostatische Reibversuche untersucht.
Als Ergebnis zeigte sich, dass der Neufilz 125 meliert, fünf Millimeter dick, spezifisches Gewicht 0,20 g/cm3 die elektrostatischen Eigenschaften des Katzenfells sogar übertrifft und als Ersatzmaterial sehr gut geeignet ist.
Interessierte Unternehmen finden weitere Information über den
PTB-Ansprechpartner:
Dr. Ulrich von Pidoll
Arbeitsgruppe 3.73 Physikalische Zündvorgänge
Tel.: 0531.5 92 34 31
E-Mail: ulrich.v.pidoll@ptb.de
Autor: Hans Peter Hahn
