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Einkauf & Logistik | 05.02.2010

RFID in Materialwirtschaft und Logistik

Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Universität Freiburg im Breisgau ein großes Interesse an dem Einsatz von RFID (Radio Frequency Identification). Trotzdem bleiben gerade KMU hinter größeren Unternehmen zurück, was die Anwendung in der Praxis anbelangt.

Im Folgenden lesen Sie dazu einen Artikel von unserer Autorin Birgit Scheja, aus dem WEKA-Titel Materialwirtschaft und Logistik online.

KMU haben starkes Interesse an RFID

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass etwa 35 % der befragten Unternehmen RFID bereits einsetzen oder zumindest kurz vor der Umsetzung entsprechender Anwendungen stehen. Fast 80 % der Anwender sind zufrieden mit den Ergebnissen, die der Einsatz von RFID-Lösungen gebracht hat.

Vergleicht man kleinere und mittlere Unternehmen mit Großunternehmen, so wird deutlich, dass KMU in Sachen Umsetzung von RFID noch immer hinterherhinken. Über 61 % der KMU haben ein großes Interesse an den Vorteilen, die RFID bietet, trotzdem nutzen nur etwa 30 % die Anwendungen tatsächlich.

Was RFID betrifft, sind die Großunternehmen den KMU deutlich voraus. Die Umfrage ergab, dass 40 % der Großunternehmen RFID bereits einsetzen. Auch bei der Planung haben die Großunternehmen die Nase vorn: Knapp 22 % planen die Einführung, während es bei den KMU nur etwas über 13 % sind.

RFID lohnt sich

Es besteht Handlungsbedarf. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Einsatz von RFID lohnt. Unternehmen, die diese Technologie bereits nutzen, sind zum größten Teil mit der Wirtschaftlichkeit und den Kosteneinsparungen hochzufrieden. Gute Gründe also, sich mit dem Thema RFID und den Vorteilen, die es bieten kann, näher zu befassen.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Vorteile RFID gerade KMU zu bieten hat. Anhand von Praxisbeispielen können Sie nachvollziehen, wie andere Unternehmen diese Technologie erfolgreich nutzen.

RFID – was ist das überhaupt?

RFID gilt noch immer als komplexe Technologie, die mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Diese Tatsache ist einer der Gründe, weshalb mittelständische Unternehmen oft zögern, diese Technologie tatsächlich im Unternehmen zu nutzen. Experten sind jedoch der Meinung, dass RFID gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten ein enormes Potenzial bietet.

Größte Entwicklungsmöglichkeiten werden vor allem für Firmen gesehen, die große Gütermengen bewegen. Deshalb könnten insbesondere diese Branchen von den Vorteilen profitieren:

  • Logistik
  • Handel
  • Fertigung

Hauptanwendungsbereiche für RFID

Studien haben ergeben, dass große wie auch kleine und mittlere Unternehmen RFID vorwiegend in denselben Bereichen einsetzen. Dabei haben sich folgende Hauptanwendungsgebiete herauskristallisiert:

  • Zugangskontrolle
  • Logistik
  • Diebstahlschutz

Vorteile für KMU

Interessanterweise wird davon ausgegangen, dass KMU mehr von dem Einsatz dieser Technologie profitieren können als Großunternehmen. Das liegt vor allem daran, dass RFID korrekte und aktuelle Bestands- und Bewegungsdaten liefert. Das ist insbesondere für KMU wichtig: Der Bedarf an verbesserten und einfach zu beschaffenden Informationen ist hier besonders groß. Durch RFID können diese Informationen auf einfache Art und Weise beschafft werden, z.B. kann eine Inventur schnell und einfach erfolgen.

Von diesen Vorteilen der RFID-Technologie können kleine und mittlere Unternehmen profitieren:

  • strategische Vorteile durch umfassende Warenverfolgung
  • Vermeiden manueller Eingabefehler
  • vereinfachte Inventur
  • hohes Automatisierungspotenzial
  • Ermöglichung des Einsatzes zentraler Abrechnungssysteme
  • Ermöglichung von Realtime Tracking & Tracing
  • Senkung der Prozesskosten durch die Verbesserung interner Prozesse
  • Optimierung von Geschäftsabläufen
  • Einsparung von Personalkosten
  • verbesserte Produktverfügbarkeit und daraus resultierende Liefertreue
  • Erhebung von zusätzlichen Objektinformationen
  • Verbesserung der Entscheidungsgrundlage durch höheren Informationsfluss
  • Absenkung interner und externer Fehlerkosten
  • Steigerung des Umsatzes durch erhöhte Kundenzufriedenheit
  • Freisetzung von Kapitel durch Bestandsreduktion

Strategie-Empfehlungen der Uni Freiburg

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat Strategie-Empfehlungen für die Einführung von RFID erarbeitet. Im Rahmen einer ebenfalls von der Universität durchgeführten Studie ergab sich, dass es KMU im Vergleich zu Großunternehmen oft einfacher haben, diese Technologie einzuführen. Das zeigte sich auch an einer Untersuchung der Strategie-Empfehlungen:

Früh beginnen und Erfahrungen sammeln

Wichtig ist, dass die Unternehmen möglichst frühzeitig mit dem Einsatz von RFID beginnen. Die Praxis zeigt, dass die Anwender mit fortschreitender Dauer des Einsatzes von den verbesserten Prozessen und den gewonnenen Informationen enorm profitierten.

Für KMU war insbesondere von Vorteil, dass sie sich oft durch höhere organisatorische Flexibilität auszeichnen. Als Resultat konnten befragte KMU wesentlich häufiger von den verbesserten Informationen und effizienteren Prozessen profitieren als Großunternehmen!

Nicht ausschließlich Nutzen in der Automatisierung suchen

Diese Strategie-Empfehlung ist insbesondere für KMU wichtig, da diese meist nicht so hohe Automatisierungspotenziale haben wie Großunternehmen. Der Grund sind geringere Skaleneffekte, da KMU in aller Regel nicht so hohe Output-Mengen generieren wie Großunternehmen.

Eine Automatisierung als Hauptantriebskraft für den Einsatz von RFID ist von daher bei KMU selten sinnvoll.

Kosten- und Nutzenziele festlegen und diese auch messen

Die Erfolgskontrolle ist ein wesentlicher Faktor bei der Erreichung wirtschaftlicher Ziele. Ohne eine vorherige Zieldefinition kann diese Kontrolle nicht erfolgen. Zur Bewertung der mit einem RFID-Einsatz verbundenen Kosten wird in der Praxis am häufigsten der Total-Cost-of-Ownership-Ansatz angewandt.

Zur Quantifizierung des Nutzens kommen vor allem Scoring-Verfahren und die isolierte Betrachtung von Kennzahlen wie z.B. Liefertermintreue zum Einsatz. Bei der Bewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses wird oft die Kapitalwertmethode herangezogen.

Dienstleister

Die Einführung von RFID im eigenen Unternehmen ist meist ein komplexes Unterfangen. Neben der Auswahl der Technologiekomponenten und der Bereiche, in denen die Technik genutzt werden soll, ist eine Vielzahl von Vorkehrungen zu treffen. Oft lohnt es sich, einen Dienstleister einzusetzen, der sich mit der Thematik auskennt, oder ein fertiges System zu erwerben, das an das eigene System angepasst werden kann.

Ein Unternehmen, das sich mit einer RFID-Lösung einen Namen machen konnte, ist die Indyon GmbH.

Indyon GmbH

Die Indyon GmbH, mit Firmensitz in der Nähe von Starnberg, wurde im Jahr 2002 gegründet. Das Unternehmen ist mittlerweile ein führender Anbieter technologiebasierter Lösungen für Intralogistik. Hierfür liefert das Unternehmen komplette Systeme und arbeitet auf Projektbasis mit verschiedenen Integrationspartnern zusammen.

Im Jahr 2008 konnte Indyon den „Markt und Mittelstand-Award“ für seine RFID-Lösung gewinnen.

Indyon-Track+Race

Das RFID-basierte Lagerhaltungssystem Track+Race von Indyon hat die Jury überzeugt. Dieses von Indyon entwickelte System ist eine Echtzeitlösung, die es dem Nutzer ermöglicht, jederzeit die Position und den Belastungszustand der Gabelstapler und der Güter im Lager zu verfolgen.

Dabei werden im Boden eingelassene, passive RFID-Transponder von einer Antenne unter dem Förderzeug registriert. Kombiniert mit Sensoren für Hubhöhe und Entfernung zur Ladung, die am Hubgerüst angebracht sind, werden alle relevanten Daten in Echtzeit gewonnen. Ein Staplerterminal übermittelt die Daten per WLAN an ein Lagerverwaltungssystem, wo sie direkt weiterverarbeitet werden.

Die beiden Produktlinien Track+Race BLM und Track+Race UR ergänzen das Portfolio.

Track+Race BLM

Mit Track+Race BLM steht darüber hinaus ein effektives System zur Stellplatzverwaltung bereit. Damit lassen sich logistische Einheiten, von der Palette bis zu Stückgut in Gitterboxen, effizient verwalten. Track+Race UR vervollständigt die Suite. In diesem System werden die Ladungsträger mit RFID-Tags versehen.

Mobil, als Antenne an den Flurförderzeugen oder als stationäres Reader Gate eingesetzt, macht Track+Race UR eine Erfassung der gelagerten Güter überall dort möglich, wo Track+Race LS nicht eingesetzt werden kann.

RFID-Planung

Wie immer, wenn in einem Unternehmen Prozesse neu gestaltet werden sollen, ist eine sorgfältige Planung unabdingbar. Der Prozess ist eine Kombination aus dem Leitfaden, den die Universität Bremen entwickelt hat, und einer herkömmlichen Projektplanung.

Der Leitfaden soll es KMU erleichtern, RFID im Unternehmen einzuführen und umfasst diese Schritte:

  1. Abgrenzung des Anwendungsfelds
  2. Problembeschreibung und Zielfestlegung
  3. Art und Ausprägung der Lösung
  4. Auswahlkriterien für RFID-Komponenten
  5. Integration in das bestehende System
  6. SWOT-Analyse
  7. Stakeholder-Analyse
  8. Kosten-Nutzen-Analyse

(Quelle: www.biba.uni-bremen.de)

In Kombination mit den gängigen Schritten einer Projektplanung haben Sie eine Vorgehensweise an der Hand, die eine erfolgreiche Umsetzung Ihres RFID-Projekts ermöglicht.

Führen Sie die folgenden Schritte durch, wenn Sie RFID in Ihrem Unternehmen einsetzen wollen.

Schritt 1: Analyse

Bevor das eigentliche Projekt beginnt, ist es wichtig, im Vorfeld eine Analyse durchzuführen. Sie soll Aufschluss darüber geben, ob das Vorhaben sinnvoll ist und welche Prozesse verbessert werden können bzw. sollen. Wichtig ist außerdem festzustellen, welche Stakeholder bzw. Interessenträger involviert sind, um herauszufinden, welche Unternehmenssparten Vorteile von der neuen Technologie haben.

Der Kern dieser Analyse besteht aus zwei Fragen:

  1. Welche Personen bzw. Abteilungen müssen als potenzielle Stakeholder betrachtet werden?
    Hier kommen z.B. das Management oder Funktionsbereiche wie Marketing, Einkauf, Lagerhaltung, Lieferanten und Kunden infrage.
  2. Welchen Einfluss haben die Stakeholder auf das Projekt?
    Hier soll geklärt werden, welche Ziele die Stakeholder mit der Einführung verfolgen.

Die Antworten auf diese Fragen geben darüber Aufschluss, ob die Einführung von RFID für die Interessenparteien Vor- oder Nachteile bringt.

Problem beschreiben und Ziel festlegen

Im Rahmen der Analyse wird außerdem das Problem beschrieben und die Ziele werden festgelegt. Die Zieldefinition ermöglicht die Kontrolle beim Abschluss des Projekts. Sie zeigt auf, ob die Vorgaben tatsächlich erreicht wurden.

Darüber hinaus ist die Problembeschreibung notwendig: Sie gibt Auskunft darüber, ob eine Einführung sinnvoll ist und welche Probleme mit der neuen Technologie behoben werden sollen.

Anwendungsfeld abgrenzen

Weiterhin ist vorab das Anwendungsfeld abzugrenzen. Hier ist u.a. zu definieren, welche Prozesse verändert werden sollen und an welchen Stellen der Einsatz von RFID im Unternehmen tatsächlich sinnvoll ist. Der Leitfaden der Universität Freiburg verlangt an dieser Stelle eine genaue Definition des Anwendungsfelds. Es muss exakt abgegrenzt werden, wo RFID genutzt werden soll, welche Prozesse im Detail durch die Technologie unterstützt werden sollen.

Schon dieser erste Schritt ist enorm wichtig, legt er doch den Grundstein für den späteren Erfolg der Technologie. Nur wenn genau festgelegt wird, wo die Technologie tatsächlich gewinnbringend eingesetzt werden kann, ist eine erfolgreiche Nutzung möglich.

Schritt 2: Projektplanung

Die Einführung der neuen Technologie muss sorgsam geplant werden. Insbesondere wird in diesem Schritt festgelegt, in welchem Zeitrahmen bestimmte Meilensteine erreicht werden sollen, wie Art und Ausprägung der Lösung aussehen sollen,welche Lösungen es gibt und welche Lösung für das Unternehmen die beste ist. Hier ist auch darauf zu achten, ob es kostengünstigere Alternativen gibt, die sich unter Umständen für das Unternehmen besser eignen.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass die infrage kommenden Lösungen die in Schritt 1 beschriebenen Probleme tatsächlich zu lösen vermögen und ob sie die zuvor definierten Ziele erreichen können. In diesem Schritt wird endgültig festgelegt, welche Technologie genutzt werden soll. Weiterhin werden bei der Projektplanung die Auswahlkriterien für die RFID-Komponenten festgelegt. Wurde RFID zuvor als einzusetzende Technologie gewählt, erfolgt nun die Feindefinition, die genau festlegt, welche Komponenten eingesetzt werden.

Schritt 3: Projektdurchführung

Nach der Analyse und der Planung geht es um die konkrete Umsetzung des Projekts, insbesondere um die Integration in das bestehende EDV-System. Dieser Schritt ist die eigentliche Umsetzung und Implementierung. Hier zeigt sich, ob die Planung sorgfältig war.

Schritt 4: Projektkontrolle

Der letzte Schritt ist die Projektkontrolle. Hier entscheidet sich, ob die Vorgaben eingehalten wurden und das Projekt erfolgreich umgesetzt wurde. Die Projektkontrolle liefert außerdem wichtige Erkenntnisse für zukünftige Projekte, indem sie Fehler aufgedeckt, die in Zukunft vermieden werden können.Die Universität Freiburg sieht darüber hinaus mehrere Analysen vor, um die Kontrolle so effektiv und aussagekräftig wie möglich zu gestalten:

SWOT-Analyse

Sie gibt Aufschluss darüber, ob die Einführung von RFID dem Unternehmen tatsächlich einen Gewinn gebracht hat. Die SWOT-Analyse hält zunächst die Stärken und Schwächen des neuen Systems fest. Anhand der Ergebnisse können ggf. Verbesserungen am System vorgenommen werden.

Stakeholder-Analyse

Die zweite Stakeholder-Analyse soll klären, ob die Stakeholder mit der Umsetzung und den Ergebnissen des Projekts zufrieden sind. Insbesondere externe Stakeholder wie z.B. Kunden sind dabei wichtig. Eine erfolgreiche Einführung und Nutzung von RFID kann auch die Kundenzufriedenheit enorm erhöhen. Es ist also wichtig, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Kosten-Nutzen-Analyse

Die abschließende Kosten-Nutzen-Analyse zeigt auf, inwieweit das Unternehmen von der neuen Technologie tatsächlich profitiert, d.h., ob die Investitionskosten in Relation zum Nutzen gerechtfertigt sind. Hier lässt sich absehen, ob und wann ein Return on Investment zu erwarten ist.

Die folgenden Fallbeispiele sollen aufzeigen, wie andere Unternehmen RFID bereits nutzen und welche Ergebnisse sie damit erzielt haben.

Seidensticker-Gruppe

Die Seidensticker-Gruppe ist ein in Bielefeld ansässiges Unternehmen, das schon in der dritten Generation Markenblusen und -hemden produziert. Die Gruppe beschäftigt etwa 1.300 Angestellte, die pro Jahr ca. 15 Millionen Kleidungsstücke fertigen. Davon werden allein 35 % exportiert. Als Hemdenhersteller belegt das Unternehmen weltweit den dritten Platz.

Unternehmensstrategie

Ein Teil des Unternehmenserfolgs beruht darauf, dass die Seidensticker-Gruppe eine klare Strategie verfolgt. Sie basiert auf den drei Säulen Private Labels, Marken und Lizenzen.

Zu den Marken, die Seidensticker herstellt, zählen neben der eigentlichen Marke Seidensticker außerdem Jacques Britt, Jobis und Dornbusch. Zu den privaten Labels gehören Redford, Club d'Amingo, Lorenzo Calvino und McKay. Auch bei den internationalen Lizenzen finden sich prominente Namen wie Joop, Bugatti, Camel Active, Otto Kern und Strellson Shirts.

RFID-Einführung

Zur Unterstützung der logistischen Prozesse setzt die Seidensticker Gruppe seit 2008 RFID ein. Bei einer jährlichen Fertigung von 15 Millionen Kleidungsstücken kann diese Technologie logistische Abläufe erheblich vereinfachen und transparenter gestalten. In das Projekt sind die Produktionsbetriebe in Asien und Osteuropa sowie die Vorkommissionierung in den Fertigungsstätten und der Warenumschlag im Zentrallager eingebunden. Neben dem bereits bestehenden Einsatz von RFID prüft die Gruppe, ob sich RFID auch zur Flächensteuerung im Handel eignet.

Laut Aussage der Unternehmensgruppe erwartet Seidensticker vor allem die folgenden Vorteile:

  • erhöhte Kostentransparenz
  • einfachere und übersichtlichere Abläufe
  • größere Bestandssicherheit
  • erhöhte Kundenzufriedenheit

Fazit: Ob RFID den gestellten Anforderungen gerecht wird, muss sich erst noch zeigen. Da Seidensticker diese Technologie erst vor einigen Monaten eingeführt hat, bleibt abzuwarten, ob die avisierten Ziele realisiert werden können.

METRO Group

Eines der wohl prominentesten RFID-Projekte in Deutschland wurde von der METRO Group gestartet. Die METRO Group ist nach eigenen Angaben das weltweit fünftgrößte Handelsunternehmen. Das Unternehmen beschäftigt an über 2.200 Standorten in 32 Ländern Europas, Afrikas und Asiens etwa 300.000 Angestellte aus 150 Nationen.Im Jahr 2008 konnte das Unternehmen einen Umsatz von 68 Milliarden Euro erzielen.

Das Konzernportfolio ist mit international bekannten Marken bestens positioniert. An der Spitze steht die METRO AG als strategische Management-Holding. Das operative Geschäft teilt sich in die Geschäftsfelder Großhandel, Lebensmitteleinzelhandel, Nonfood-Fachmärkte und Warenhäuser. In diesen Bereichen sind die Vertriebsmarken der METRO Group selbstständig am Markt tätig. Sogenannte Querschnittsgesellschaften übernehmen für die Vertriebsmarken konzernweit übergreifende Dienstleistungen wie Beschaffung, Logistik, Informatik, Werbung, Gastronomie oder Immobilien.

RFID-Einführung

Die METRO Group hat im Jahr 2004 damit begonnen, die RFID-Technologie einzusetzen. Dabei ging das Unternehmen schrittweise vor: So wurde RFID zunächst nur in Teilbereichen der Prozesskette getestet, vorrangig im Lagermanagement.

Mithilfe der RFID-Technologie wurde die Wareneingangskontrolle automatisiert: Warenlieferungen an den Future Store in Rheinberg wurden im Zentrallager mit RFID-Etiketten versehen und bei der Ankunft im Markt eingelesen. Beim Transport vom Lager des Markts in den Verkaufsraum wurde die Ware abermals eingelesen und als verräumt identifiziert.

Erste Tests in Rheinberg bewiesen, dass RFID sowohl dem Unternehmen als auch den Kunden enorme Vorteile zu bieten hat:

  • effektivere Prozesse und dadurch niedrigere Kosten
  • einfache Lokalisierung der Ware über die gesamte Prozesskette hinweg
  • Optimierung des Bestellmanagements
  • Verringerung der Verluste
  • Vermeidung von Ausverkaufssituationen
  • höhere Warenverfügbarkeit

Einsatz entlang der gesamten Prozesskette

Nach diesen ermutigenden Ergebnissen begann die METRO Group im November 2004, RFID durchgängig entlang der gesamten Prozesskette einzusetzen. Zunächst bestückten rund 100 Lieferanten ihre Paletten und Transportverpackungen für zehn Zentrallager sowie rund 250 Märkte der Vertriebslinien METRO Cash & Carry, Real-SB-Warenhäuser, Extra-Verbrauchermärkte und Galeria-Kaufhof-Warenhäuser mit RFID-Etiketten.

Im Oktober 2007 wurde die nächste Phase des flächendeckenden Einsatzes der Radiofrequenz-Identifikation (RFID) in Deutschland eingeleitet. Hierbei wurde die Vertriebsmarke Real mit RFID-Lesegeräten ausgestattet.

Europaweiter Einsatz

Nach dem erfolgreichen Start im Oktober 2007 begann die METRO Group 2008 mit dem europaweiten Einsatz von RFID. Weitere 200 deutsche Standorte der Vertriebsmarke Real sowie METRO Cash & Carry Frankreich begannen, die Technologie einzusetzen.

Bei METRO Cash & Carry Deutschland werden bereits heute durchschnittlich 40 % aller verkauften Waren auf Paletten angeliefert, die mit RFID ausgestattet sind. METRO Cash & Carry bereitet darüber hinaus den operativen Einsatz der Funktechnologie in seinen französischen Märkten vor.

Noch mehr Vorteile von RFID

Der RFID-Einsatz hat sich für das Unternehmen gelohnt, so ließen sich nach Aussagen der METRO Group weitere Vorteile realisieren:

  • beschleunigte Abwicklung des Wareneingangs
  • Verkürzung von Lkw-Wartezeiten
  • Optimierung der Transportwege
  • automatische Registrierung von mit RFID-Tags bestückten Paletten
  • sekundenschnelle Überprüfung von Lieferungen auf Vollständigkeit
  • insgesamt Verbesserung der Warenwirtschaft

Strategie

Um die Vorzüge von RFID weiterhin nutzen zu können und den Einsatz der Technologie weiter auszubauen, verfolgt sie eine klare Strategie. So unterstützen die METRO Group und ihre IT-Partner Hersteller, die den Einsatz von RFID beabsichtigen. Maßgeschneiderte „Starter Kits“ erleichtern die ersten Schritte mit der innovativen Technologie.

So können Handelspartner auf dem Weg hin zur transparenten Lieferkette auf die Erfahrung der METRO Group und ihrer Partner zurückgreifen.

Lieferantenportal METRO Link

Ab Mitte 2008 konnten außerdem Industriepartner, die operativ am RFID-Einsatz der METRO Group teilnahmen, online einen Überblick über ihren Warenfluss erhalten: Im Lieferantenportal METRO Link wurden zusätzliche Daten bereitgestellt, die jederzeit genau aufzeigen, wann und wo eine Lieferung innerhalb der METRO Group registriert worden ist.

Auch die RFID-Pilotprojekte der METRO Group treiben den Einsatz der Technologie weiter voran.Seit Ende 2007 hat die METRO Group den Praxiseinsatz von RFID im Lagerbetrieb sorgfältig vorbereitet. Unter den extremen Bedingungen in einem Tiefkühllager bei minus 24 Grad Celsius musste sich vor allem die Hardware bewähren.

Zusammen mit ihren Technologiepartnern entwickelte die METRO Group innovative Lösungen für die Verwendung von RFID-Lesegeräten auf Gabelstaplern. Die entsprechenden Tests verliefen erfolgreich, sodass darauf aufbauend die Anwendung für den operativen Betrieb weiterentwickelt wurde. Mit der Ausstattung eines Hochregallagers machte die METRO Group einen entscheidenden Schritt hin zum integrierten RFID-Einsatz entlang der gesamten Prozesskette vom Hersteller bis in den Verkaufsraum.

Fazit: Die METRO Group ist in Deutschland einer der Vorreiter, was den großflächigen Einsatz von RFID anbelangt. Die Ergebnisse geben dem Unternehmen Recht: Es erzielt schon heute enorme Einsparungen und profitiert zudem von einer wesentlich höheren Transparenz.

RFID in Kürze

RFID kann KMU enorme Vorteile bringen, doch der Einsatz muss sorgfältig geplant werden. Wie bei jeder neuen Technologie gilt es im Vorfeld zu eruieren, ob sie für das eigene Unternehmen geeignet ist und welche Vorteile man sich von dem Einsatz erhofft.

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(Herausgeber des Titels Materialwirtschaft und Logistik: Martin Kappel, Friedrich Oehlerking)

 


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