Green Procurement: Traum oder Alptraum?
Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte werden nach heutigem Ermessen einen weiteren Bedeutungszuwachs erfahren. Dabei werden nicht nur „weiche“, sondern insbesondere auch „harte“ wirtschaftliche Faktoren eine tragende Rolle spielen. Einkauf und Beschaffung nehmen bei der Entwicklung und Etablierung umweltschonender Produkte und Dienstleistungen eine Schlüsselstellung im Unternehmen und in öffentlichen Einrichtungen ein.
Hierbei ist immer wieder auf den engen Zusammenhang des Green Procurement mit einem Grundgedanken aus dem Qualitätsmanagement hinzuweisen: Vermeidung und Verminderung der Ressourcenverschwendung.
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Auch Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien müssen messbar sein
Zur Beurteilung umweltbezogener Aspekte müssen die Kriterien, die in die Beschaffungsrichtlinien des Unternehmens einfließen, messbar sein, z.B.:
- Energie- und Wasserverbrauch
- Wartungs- und Instandhaltungsintensität
- CO2-Ausstoß, Lärmpegel, Erschütterung
- Verschnitt und Abfallvolumina
- Entsorgungskosten
Mithilfe der unternehmensindividuellen Beschaffungsrichtlinien wird auch die Grundlage für die Bewertung des wirtschaftlichsten Angebots gelegt, indem sie Kriterien für die Betriebskostenanalyse und die Gewichtung der unterschiedlichen Lebenszykluskosten der Produkte und Dienstleistungen vorgibt. Bereits bestehende Umwelt- und Energielabel können dabei als Richtschnur genutzt werden.
Der Blaue Engel
Der Blaue Engel wurde 1978 ins Leben gerufen und ist damit die erste und älteste umweltbezogene Kennzeichnung der Welt für Produkte und Dienstleistungen. In die Bewertung fließen sowohl Umweltschutz- als auch Verbraucherschutzaspekte ein. Prämiert werden Produkte und Dienstleistungen, die im Vergleich zu konventionellen Produkten sowohl ihre Funktion in hoher Qualität erfüllen als auch darüber hinaus:
- die Umwelt weniger belasten,
- Ressourcen bei der Herstellung sparen,
- weniger Ressourcen bei Nutzung und Entsorgung verbrauchen und
- keine für die Umwelt oder die Gesundheit schädlichen Substanzen enthalten.
Auf der Seite blauer-engel.de werden die Auswahlkriterien und die prämierten Produkte in Produktwegweisern genannt.
Ecolabel (EU-Umweltzeichen, Euroblume)
Das EU-Umweltzeichen wird an solche Produkte vergeben, die innerhalb ihres gesamten Lebenszyklus als besonders umwelt- und gebrauchsfreundlich bewertet werden. Dabei werden zunächst umfangreiche Kriterien für die zu prüfenden Produkte erstellt, anhand derer die Bewertungen vorgenommen werden. Derzeit können folgende Produktgruppen das Umweltzeichen erhalten:
- Gartenbedarf (Bodenverbesserer, Kultursubstrate)
- Elektronikgeräte (Fernsehgeräte, Tischcomputer, tragbare Computer)
- Schuhe
- Haushaltsgeräte (Geschirrspüler, Kühlschränke, Staubsauger, Wärmepumpen, Waschmaschinen)
- Textilien (Bekleidung, Bettwäsche, Heimtextilien)
- Heimwerkerbedarf (Farben und Lacke, Glühbirnen, harte Bodenbeläge)
- Reinigungsmittel (Allzweckreiniger, Hand- und Maschinengeschirrspülmittel, Seifen, Shampoos, Conditioner, Waschmittel)
- Papier (Hygienepapiere, Kopierpapier, grafisches Papier)
- Dienstleistungen (Beherbergungsbetriebe, Campingdienste)
- Schmiermittel
Das Label wird von einer EU-Jury zeitlich begrenzt vergeben und muss daher regelmäßig aktualisiert werden.
Auf der Seite www.eco-label.com gelangt man über einen interaktiven Katalog zu den Produkten und Händlern, die im jeweils auszuwählenden Land dieses Label erhalten haben bzw. entsprechende Produkte führen. Die offizielle Seite des EU-Umweltzeichens lautet www.ecolabel.eu und enthält detaillierte Informationen über das Label.
Energy Star – Kennzeichnung für stromsparende Bürogeräte
Der Energy Star wird für Bürogeräte (Computer, Drucker, Bildschirme etc.) vergeben, die über den gesamten Lebenszyklus den niedrigsten Stromverbrauch aufweisen.
Die Seite www.eu-energystar.org bietet sowohl privaten Nutzern als auch gewerblichen Einkäufern umfassende Informationen. Hierzu gehört auch eine Datenbank mit energieeffizienten Bürogeräten.
EU-Energielabel (Gerätelabel, Energiesparlabel, Energieetikett)
In der „Verordnung über die Kennzeichnung von Haushaltsgeräten mit Angaben über den Verbrauch an Energie und anderen wichtigen Ressourcen“ wird beschrieben, in welcher Weise Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Elektrobacköfen, Raumklimageräte und Lampen zu kennzeichnen sind, damit der Käufer ihre Energieeffizienz erkennen kann. Im EU-Energielabel werden die Geräte anhand der Energieeffizienzklassen eingeordnet:
- von A (niedriger Energieverbrauch)
- bis G (hoher Energieverbrauch)
Die Produktverbesserungen der vergangenen Jahre zeigen sich deutlich: Kühlschränke wurden mittlerweile so weit optimiert, dass die beiden Klassen A+ und A++ eingeführt werden mussten, um besonders sparsame Geräte herauszuheben.
Auf der Seite www.stromeffizienz.de finden Sie weitere Informationen über das EU-Energielabel.
TCO Certified
Die TCO-Kennzeichnung ist ein Qualitäts- und Umweltsiegel, mit dessen Hilfe die Entwicklung technischer Produkte mit guter Umweltverträglichkeit, Ergonomie und Recyclingfähigkeit gefördert werden soll. Hinter diesem Siegel verbirgt sich die schwedische Angestellten- und Beamtengewerkschaft, die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bewirken will, indem Computer, Bildschirme, Drucker, Mobiltelefone, Headsets und Büromöbel hinsichtlich der genannten Kriterien bewertet werden. Insbesondere bei den Monitoren stellt das TCO-Label ein wichtiges Kaufentscheidungskriterium dar.
Auf der Seite www.tcodevelopment.com können zu jeder Produktkategorie zertifizierte Produkte abgerufen werden.
Autorin: Anja Kranfeld
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