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Internet

Abgeleitet von engl. international (international) und network ( Netz ). Globales, dezentral organisiertes und strukturiertes Rechnernetz mit einheitlichem Adressierungsschema, das heute weltweit mit hohen Zuwachsraten über 300 Mio. Benutzer miteinander verbindet und neben dem ausgebauten Telefonsystem die wichtigste Basisinfrastruktur für den internationalen elektronischen Austausch von Informationen darstellt.

Die Idee des Internets wurde zuerst von Joseph Carl Robnett Licklider (1915–1990) am Massachusetts Institute of Technology ( MIT ) in Cambridge im August 1962 aufgegriffen. Licklider stellte sich ein paar global verbundene Rechner vor, durch welche Daten und Programme für jedermann schnell zugänglich wären. Als Reaktion darauf startete das Forschungsinstitut ARPA (Advanced Research Projects Agency) des US-Verteidigungsministeriums (Department of Defense , DoD ) ein Forschungsprogramm und ernannte Licklider als dessen Leiter .

Die übertragungs- und vermittlungstechnischen Grundlagen zur Realisierung des Rechnernetzes wurden etwa zur gleichen Zeit entwickelt: Der erste Aufsatz über die elektronische Paketvermittlung wurde im Juli 1961 von Leonard Kleinrock (geb. 1934) vom MIT verfasst und das erste Buch zu diesem Thema erschien 1964 mit dem Titel „Communication Nets: Message Flow and Delay“. Auf diesen theoretischen Behandlungen basierend gelang es Lawrence G . Roberts und Thomas Merill schließlich im Jahr 1965, das erste Rechnernetz über herkömmliche Telefonleitungen zu betreiben.

Im Jahr 1969 entstand dann mit finanzieller Unterstützung des DoD unter Federführung der ARPA das paketvermittelte Weitverkehrsnetz namens „ARPA Internet“ (kurz: ARPANET ), das als Ursprungsnetz des heutigen Internet gilt. In den folgenden Jahren wurden zunehmend mehr Rechner an das ARPANET angeschlossen sowie die Entwicklung von Kommunikationsprotokollen für eine leistungsfähige und zugleich flexible Kommunikation unter den Rechnern forciert. Als Ergebnis dieser Bemühungen konnte dann im Dezember 1970 das Ausgangsprotokoll NCP ( Network Control Protocol) vorgestellt werden, das allgemein als Vorläuferprotokoll der heutigen Internetprotokolle betrachtet wird. Nachdem in den Jahren 1971–1972 sämtliche ARPANET-Domains das NPC installiert hatten, konnte man mit der Entwicklung von ersten Anwendungen beginnen.

Den Durchbruch in der Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit erzielte das ARPANET mit einer Präsentation bei der International Conference on Computer Communications (ICCC) im Oktober 1972. Die erfolgreiche Demonstration der neuen Möglichkeiten und der Stabilität, die das Testnetz bot, dauerte drei Tage. Diese erste öffentliche Vorführung überzeugte die anwesenden Experten, dass es möglich war, eine Vielzahl von Rechnern aller Größenordnungen auf zuverlässige Art und Weise miteinander zu vernetzen. Vor dieser Konferenz betrug das mittlere monatliche Wachstum des Datenvolumens im ARPANET einige wenige Prozent; im Monat nach der Konferenz sprang dieser Wert auf 67%. Auch später hielt das starke Wachstum an, und die Zahl der an das ARPANET angeschlossenen Rechner vergrößerte sich ständig. In rascher Folge entstand eine Reihe von lokalen Universitätsnetzen, die sich zum großen Teil an das ARPANET anschlossen oder sich bei der Wahl der zugrunde gelegten Technologie am ARPANET orientierten. Außerdem wurde 1972 die elektronische Post – heute allgemein als E-Mail bekannt – eingeführt, nachdem eine grundlegende Sender-Empfänger-Software programmiert worden war. Zurückzuführen ist diese Anwendung nicht zuletzt auf den eigenen Bedarf der ARPANET-Entwickler, die einen einfachen, zeitentkoppelten Kommunikationsmechanismus zur Koordination ihrer Arbeiten benötigten.

Doch schon nach relativ kurzer Zeit zeigte sich, dass die bis dahin entwickelten „alten“ ARPANET-Protokolle den neuen Aufgaben nicht gewachsen waren. Deshalb entschlossen sich Vinton G . Cerf (geb. 1943) und Robert (Bob) Kahn (geb. 1938), einen neuen Standard zu schaffen, der auf allen von der ARPA betriebenen Netzen verwendet werden sollte: Das neue Netzprotokoll, das erstmals 1975 zum Einsatz kam, bezeichneten sie mit Transmission Control Protocol ( TCP ). Es sorgte für den reibungslosen Datenaustausch , indem es den Versand der Datenpakete überwachte und diese so aufteilte, dass kein Teil des Netzes überlastet wurde. Neben diesen Routing-Aufgaben übernahm das Protokoll ursprünglich auch die Adressierung aller angeschlossenen Rechner, der so genannten Internet-Hosts. Um 1980 wurde diese Funktion dann einem eigenen Protokoll , dem Internet Protocol ( IP ), übergeben. Im IP wird hierarchisch jedem Rechner eine Adresse ( Internetadresse , IP-Adresse ) zugewiesen. Eine Adresskomponente gibt das Datennetz an, in dem sich der Rechner befindet, und eine weitere Komponente die Adresse des Rechners innerhalb des betreffenden Netzes. Auf diese Weise wird das Routing der Datenpakete vereinfacht, weil jedes Netz durch ein eigenes Gateway mit dem Internet verbunden ist, das eindeutig der Nummer des jeweiligen Netzes zugeordnet werden kann. Jede Nachricht aus einem anderen Netz wird deshalb zunächst zum Gateway des Zielnetzes geleitet, und erst hier wird die genaue Rechneradresse innerhalb des Zielnetzes zur Weiterleitung benutzt.

Durch die Verwendung von TCP/IP wurde es den verschiedenartigsten Rechnernetzen möglich, untereinander zu kommunizieren, sofern alle Teilnetze den neuen Standard verwendeten. Um ihrem Standard zum Durchbruch zu verhelfen, bemühte sich die ARPA mit Erfolg auch bei anderen Netzbetreibern um die Implementierung ihrer Protokollentwicklungen. Des Weiteren erreichte sie über eine finanzielle Beteiligung, dass die neue Berkeley-Version des Betriebssystems UNIX mit TCP/IP ausgerüstet wurde. Da alle US-Universitäten dieses Betriebssystem nutzten, wurde TCP/IP schnell zum De-facto-Standard beim Aufbau von universitären und forschungsorientierten Rechnernetzen. Als immer mehr militärische, wissenschaftliche und administrative Organisationen aus den USA und dem Ausland den Standard TCP/IP übernahmen und sich dem ARPANET anschlossen, wurde das inzwischen weltweite Netz fast nur noch „Internet“ genannt. Heute versteht man darunter im Allgemeinen die Gesamtheit aller über Gateways verbundenen Rechnernetze, die den Protokollstandard TCP/IP und ein einheitliches Adressierungsschema verwenden.

Die weitere Entwicklung des Internets in chronologischer Folge:

1979

Aufbau des USENET , eines logischen Netzes von Rechnern (UNIX-Systeme), die in ein weltumspannendes öffentliches – hierarchisch nach Themen gegliedertes – Mitteilungssystem eingebunden waren. Der E-Mail-basierte Austausch der so genannten „NetNews“ erfolgte im Rahmen von „Schwarzen Brettern“ und Foren (Diskussionsgruppen, Newsgroups).

1982

Die EUUG (European UNIX Users Group) begann mit dem Aufbau des europäischen Forschungsnetzes EUnet (European UNIX Network) in Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden. EUnet stellte USENET - und E-Mail-Dienste nun auch in Europa zur Verfügung.

1982

Bereits 50 USENET Newsgroups.

1983

Am 1. Januar 1983 Substitution des veralteten NCP durch TCP/IP .

1984

Einführung des Verzeichnisdienstes DNS ( Domain Name System).

1985

Das Internet entwickelt sich zu einer etablierten Technologie, die insbesondere im Bereich der Universitäten und der Forschung breite Anwendung findet. Daneben interessieren sich zunehmend auch andere Anwenderkreise für das Internet. E-Mail wird nun in großem Ausmaß genutzt, oft auch zwischen verschiedenen Computersystemen.

1986

Die US-amerikanische Wissenschaftsinstitution NSF ( National Science Foundation ) begann mit der Entwicklung und dem Aufbau des nordamerikanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes NSFNET ( National Science Foundation Network ), das lange Zeit das Backbone des weltweiten Internets bildete.

1986

Das Internet am Beginn seines exponentiellen Wachstums, das bis heute anhält.

1988

Start der visionären Initiative „ Information Superhighway “ des US-Vizepräsidenten Albert (Al) Gore Jun., die in den USA den Grundstein für den Aufbau neuer Hochgeschwindigkeitsnetze legte.

1988

Gründung der Internet Assigned Number Authority ( IANA ), die als zentrale Internetorganisation für die Vergabe und Koordination von Internetadressen (IP-Adressen) und Domainnamen im weltweiten Internet zuständig war. Im Jahr 1998 gingen diese Aufgaben auf die ICANN ( Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ) über.

1988

Entwicklung des Internetdienstes IRC ( Internet Relay Chat ), der den informellen elektronischen Dialog unter beliebig vielen Internetbenutzern (Chat, Chatting) ermöglichte.

1989

Zusammenschluss der europäischen Betreiber IP-basierter Weitverkehrsnetze im Réseaux IP Européens ( RIPE ) zur Sicherstellung der administrativen und technischen Koordination zum Betrieb eines paneuropäischen IP-Netzes als integraler Teil des weltweiten Internets.

1989

Folgende Länder realisierten ihren Anschluss an das NSFNET : Australien, Deutschland, Großbritannien, Israel, Italien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Niederlande und Puerto Rico.

1990

Das NSFNET löste das ARPANET des DoD ab.

1990

Der Engländer Tim Berners-Lee (geb. 1955) und der Belgier Robert Cailliau (geb. 1947) vom europäischen Forschungslabor für Teilchenphysik CERN (franz. Conseil Européenne pour la Recherche Nucléaire) in Genf schaffen die Grundlagen und die technischen Voraussetzungen für den bei CERN begonnenen Aufbau des World Wide Web ( Web ). Von Sommer 1991 bis Sommer 1994 verzehnfachte sich jedes Jahr das Volumen auf dem ersten Webserver (info.cern.ch). In universitären Kreisen wurde man 1992 auf die Arbeiten aufmerksam, gefolgt von der Industrie im Jahr 1993. Aufgrund des damit verbundenen Drucks, die weitere Entwicklung zu fördern, gründete Berners-Lee im September 1994 das World Wide Web Consortium ( W3C ), das neben dem Gründungsort am Massachusetts Institute of Technology ( MIT ) in Cambridge in den USA, am INRIA (Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique) in Frankreich und inzwischen auch an der Keio-Universität in Japan vertreten ist.

1990

Weitere Länder gingen an das NSFNET : Argentinien, Belgien, Brasilien, Chile, Griechenland, Indien, Irland, Österreich, Schweiz, Spanien und Südkorea.

1991

Gründung der Commercial Internet Exchange Association ( CIX Association ) durch General Atomics, Performance Systems International Inc. und UUNET Technologies Inc. (AlterNet), nachdem die NSF die Beschränkungen für die kommerzielle Verwendung des Internets aufgehoben hatte.

1991

Das Web wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1992

Gründung der Internet Society (ISOC), des internationalen Dachverbandes der Internetorganisationen, bei der die entscheidende Autorität in Bezug auf die weitere Entwicklung und Propagierung des Internets zu einer globalen Netzinfrastruktur seither liegt.

1992

Die Internet-Publizistin Jean Armour Polly prägte in ihrem Buch „Surfing the Internet“ den inzwischen weit verbreiteten Begriff „ Surfen “.

1993

Das Internet fand zunehmend Beachtung in Wirtschaft und Medien ; das Weiße Haus und die Vereinten Nationen präsentierten sich im Internet.

1993

Mark Andreesen vom NCSA (National Center for Supercomputing Applications) der Universität von Illinois startete Mosaic , den ersten erfolgreichen Webbrowser mit komfortabler Benutzerführung, der das Internet und das Web breiten Anwenderkreisen erschloss.

1993

Im Januar 1993 existierten weltweit 50 Webserver .

1995

Netscape entwickelte und perfektionierte eine neue Form der Software-Distribution, indem das Unternehmen eine Kopie ihres Webbrowsers „ Netscape Navigator “ zum freien Download im Internet zur Verfügung stellte.

1995

Im Januar 1995 existierten weltweit 12000 Webserver .

1996

Im Februar 1996 verkündete US-Präsident Clinton die nationale Initiative „ Next Generation Internet ( NGI )“ zur Finanzierung und Koordination der notwendigen Forschungen für die nächste Generation („Internet2“) eines breitbandigen Internets mit neuen innovativen Anwendungen.

1997

Im Januar 1997 existierten weltweit 650000 Webserver .

1998

Beginn der Forschungen und Entwicklungen am NGI unter maßgeblicher Beteiligung von fünf US-Institutionen: die aus der ARPA hervorgegangene DARPA ( Defense Advanced Research Projects Agency ), das DoD , das DoE (Department of Energy), die NASA (National Aeronautics and Space Administration) , das NIH (National Institute of Health), das NIST (National Institute of Standards and Technology) und die NSF .

1998

Ende 1998 existierten weltweit 3,7 Mio. Webserver .

1999

Ende 1999 existierten weltweit 9,5 Mio. Webserver .

2000

Im März 2000 wurde die weltweite Zahl der Internetbenutzer auf 304 Mio. geschätzt. Nach einer Prognose des Computer Industry Almanac ( CIA ) soll die Zahl bis zum Jahresende 2005 auf 765 Mio. Benutzer angestiegen sein, das entspricht einem weltweiten 118 von 1000 Menschen.

2000

Im November 2000 beschloß die ICANN wegen des knappen Namensraumes im Verzeichnisdienst DNS neben den bestehenden länderneutralen Top Level Domains (TLDs) COM (.com), EDU (.edu), INT (.int), NET (.net) und ORG (.org) sieben weitere TLDs: AERO (.aero), BIZ (.biz), COOP (.coop), INFO (.info), MUSEUM (.museum), NAME (.name) und PRO (.pro).


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