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Reis

Johann Philipp Reis, geboren am 7. Januar 1834 im hessischen Gelnhausen bei Frankfurt/Main, gestorben am 14. Januar 1874 in Friedrichsdorf im Taunus, Telefonpionier. Der Sohn eines Bäckermeisters und kleinen Landwirts wurde bereits im Alter von zehn Jahren zum Vollwaisen. Zur weiteren schulischen Ausbildung brachte ihn daraufhin sein Vormund in das Privatinstitut Garnier in Friedrichsdorf, wo er Unterricht in Mathematik, Latein und Italienisch erhielt. Hier, wie auch später an einer anderen Privatschule in Frankfurt, zeigten sich schon frühzeitig seine Begabungen für Sprachen und Naturwissenschaften. Seine Lehrer empfahlen daher, ihn nach dem Schulabschluss auf das Polytechnikum nach Karlsruhe zu schicken. Auf Beschluss seines Vormundes trat er jedoch im Alter von 16 Jahren eine kaufmännische Lehre in einer Farbenhandlung an. Neben seiner kaufmännischen Ausbildung erwarb er sich bei einem Drechsler handwerkliche Fertigkeiten und bildete sich auf naturwissenschaftlichem Gebiet weiter, indem er u.a. Physik- und Chemie-Vorlesungen bei Professor Rudolph Christian Boettger (1806-1881) hörte. Nach der Lehre besuchte Reis die polytechnische Vorschule von Dr. Poppe in Frankfurt, um später in Heidelberg zu studieren.

Als Reis jedoch im Frühjahr 1858 seinen ehemaligen Lehrer, den Studienrat Garnier, besuchte, schlug dieser dem jungen Reis vor, an seinem Institut als Lehrer zu arbeiten. Auf dieses Angebot ging Reis ein, da er hierin Möglichkeiten sah, seine experimentellen Ideen hinsichtlich einer elektrischen Übertragung von Tönen zu verwirklichen und gleichzeitig ein geregeltes Einkommen zu erlangen. Er unterrichtete an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte Französisch, Mathematik und Zeichnen. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit physikalischen Experimenten. Nach langwierigen Versuchen, während derer er die Mechanik des menschlichen Ohres ausführlich studierte, gelang Reis 1859/60 die Umsetzung von Schallwellen in sprachmodulierten elektrischen Strom.

Mit dem ersten Apparat, den Reis sowohl selbst entwarf als auch selbst fertigte, konnten diskrete Töne und Sprache bis 100 m weit übertragen werden. Durch diesen Erfolg ermutigt, stellte Reis sein Telefon – seit 1877 laut amtlicher Verfügung des Generalpostmeisters Ernst Heinrich Wilhelm von Stephan (1831–1897) als „ Fernsprecher “ bezeichnet – am 26. Oktober 1861 der Öffentlichkeit vor, als er einen Vortrag vor dem Physikalischen Verein in Frankfurt/Main hielt. Die Veröffentlichung des Aufsatzes über diese Erfindung lehnte jedoch der wissenschaftliche Verleger und Physiker Johann Christian Poggendorff (1796–1877) in Verkennung der konkreten Nutzungsmöglichkeiten mit der Begründung ab, dass die Ausführungen unsinnig seien und dass die Übertragung menschlicher Sprache auf elektrischem Wege nicht möglich wäre. Trotzdem gelang es Reis, seinen Aufsatz an anderer Stelle zu veröffentlichen. Ein inzwischen verbessertes Telefon , von welchem er mehrere Exemplare durch den Mechanikus J. Wilhelm Albert herstellen ließ und die er für acht bis zwölf Taler mit Mühe verkaufte, führte er im Jahr 1864 auf der Versammlung der Naturforscher in Gießen vor.

Auch wenn Reis diese Vorstellung als berufliche Bestätigung empfand, ebbte doch das Interesse der Öffentlichkeit an seiner Erfindung schnell wieder ab. Es fand sich niemand, der ernsthaft die Überführung der Erfindung in ein gebrauchsfähiges Produkt unterstützen wollte. Selbst namhafte Wissenschaftler sahen das Telefon von Reis nur als eine „interessante physikalische Spielerei“ an.

So kam es, dass Reis das bittere Schicksal all jener Erfinder widerfuhr, die ihrer Zeit weit voraus waren. Für ihn blieb der erhoffte Erfolg aus. Hinzu kam, dass ein Lungenleiden seine Arbeitskraft immer stärker schwächte. Besonders tragisch für diesen genialen Erfinder war zudem, dass er, der als erster Mensch mit seiner Stimme eine größere Entfernung als je ein Anderer vor ihm überbrückte, durch Krankheit seine Stimme verlor und deshalb seine Lehrtätigkeit nicht mehr wahrnehmen konnte.

Erst neun Jahre nach seinem Tod wurde Johann Philipp Reis durch eine Buchveröffentlichung des englischen Physikers Silvanus Phillips Thompson (1851–1916) eine Ehrenrettung und die Feststellung seiner Priorität bei der Erfindung des Telefons – lange vor Alexander Graham Bell (1847–1922) und Elisha Gray (1835–1901) – zuteil.

http://www.acmi.net.au/AIC/REIS_BIO.html

http://www.hebrewhistory.org/factpapers/berliner27-I.html

http://www.ilt.columbia.edu/projects/telecom/reis/html/articles.html

http://www.schoelles.com/Telephone/telinventors.htm

http://www.wikipedia.org/wiki/Philip_Reis


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